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Brasilien: Militär besetzt Favelas in Rio de Janeiro auf den Hügeln der Zona Sul

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Das brasilianische Militär drang diese Woche in vier Favelas in Rio de Janeiro ein. Hier eine Patrouille in der Nähe des Strands von Leme
Das brasilianische Militär drang diese Woche in vier Favelas in Rio de Janeiro ein. Hier eine Patrouille in der Nähe des Strands von Leme

Rio de Janeiro. Militär und Polizei haben am Mittwoch früh simultan vier Favelas in der wohlhabenden Zona Sul von Rio de Janeiro besetzt. Die Soldaten rückten mit gepanzerten Fahrzeugen und schwerem Gerät zur Zerstörung von Barrikaden an. Hubschrauber kreisten über dem Geschehen. Dabei besetzten 3.700 Soldaten, 200 Polizisten und 90 Zivilpolizisten die Favelas Cantagalo, Pavão-Pavãozinho, Babilônia und Chapéu Mangueira.

Wenige Häuserblocks von den angesagtesten Straßen der Zona Sul, der schicken und wohlhabenden Südzone von Rio de Janeiro, drang das brasilianische Militär in die Armenviertel auf den Hügeln der Stadtteile Copacabana, Ipanema und Leme ein. Erklärtes Ziel der Operation war die Festnahme per Haftbefehl gesuchter Personen, was in einem Fall gelungen ist. Es erfolgten Leibesvisitationen bei Favelabewohnern, Fahrzeuge und Häuser wurden auf der Suche nach Waffen und Drogen kontrolliert. Eine Favela-Bewohnerin, die anonym bleiben wollte, sagte: "Ich finde die Militärpräsenz schlecht. Wenn es so eine Operation gibt, habe ich Angst den Hügel zu verlassen, weil ich in einen Schusswechsel geraten könnte."

Die Favelas in Copacabana werden kontrolliert vom "Comando Vermelho". Im Stadtgebiet von Leme bekriegt sich diese Bande mit dem TCP (Terceiro Comando Puro). Es heißt, dass sich ihre Mitglieder in den Favelas schwer bewaffnet bewegen und offen Drogen verkaufen. Befürworter des massiven Militäreinsatzes hoffen, dass die Operation die Drogendealer schwächt und vertreibt. Kritiker meinen, dass solche Operationen für sich sinnlos sind, da die Organisierte Kriminalität nach Abzug der Polizisten und Soldaten sofort zurück ist.

De-facto-Präsident Michel Temer hatte im Februar dieses Jahres die innere Sicherheit des Bundesstaates Rio de Janeiro per Dekret dem Militär überantwortet. Seitdem hat die Gewalt in Rio de Janeiro laut Statistiken stark zugenommen. Bis Juni war im Vergleich zu den Monaten vor dem Dekret ein Anstieg von knapp 40 Prozent zu verzeichnen gewesen.

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