Alternativer Nobelpreis für Thelma Aldana und Iván Velásquez

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Thelma Aldana und Iván Velásquez erhalten den Alternativen Nobelpreis für ihren Einsatz gegen die Korruption in Guatemala (Foto von 2014)
Thelma Aldana und Iván Velásquez erhalten den Alternativen Nobelpreis für ihren Einsatz gegen die Korruption in Guatemala (Foto von 2014)

Stockholm. Das Komitee des Right Livelihood Awards (etwa "Preis für die richtige Lebensweise") in Stockholm verleiht der ehemaligen Generalstaatsanwältin von Guatemala und dem Leiter der Internationalen Kommission gegen die Straflosigkeit (CICIG) den undotierten Ehrenpreis "für ihre wegweisende Arbeit zur Aufdeckung von Machtmissbrauch und Verfolgung von Korruption und so für die Wiederherstellung von Vertrauen in öffentliche Institutionen".

Mit dem Alternativen Nobelpreis werden Menschen ausgezeichnet, die richtungsweisend zur Lösung fundamentaler Probleme der Welt beitragen. Er erreicht die Preisträger zu einem Zeitpunkt, an dem beide sich erzwungenermaßen außerhalb Guatemalas befinden.

Thelma Aldana wurde im Mai 2014 vom damaligen Präsidenten Otto Pérez Molina zur Generalstaatsanwältin bestellt. Sie war zuvor Mitglied und Vorsitzende des Höchstgerichts gewesen. Sie beschreibt wiederholt, wie sie mit Bestürzung erkennen musste, dass Pérez Molina gemeinsam mit Vizepräsidentin Roxani Baldetti das von ihr und Iván Velásquez aufgedeckte Korruptionsnetzwerk La Linea im Steuer- und Zollwesen des Landes leitete. In der Folge klärte sie gemeinsam mit Velásquez weitere umfangreiche Korruptionsfälle auf. Angesichts zahlreicher Drohungen verpflichtete der Interamerikanische Gerichtshof für Menschenrechte im Juli 2016 den Staat Guatemala, ihr und ihrer Familie besonderen Schutz zu bieten. Da dieser der Verpflichtung nicht nachkam, lebt sie seit Ende ihrer Amtszeit im Mai 2018 im Ausland. Die Juristin könnte bei den Wahlen 2019 als Präsidentschaftskandidatin antreten.

Der kolumbianische Jurist Iván Velásquez war in den 1990er Jahren führend an der Entwicklung menschenrechtlicher Institutionen in Medellín beteiligt. Er deckte Verbindungen zwischen Politikern und Paramilitärs sowie Drogenmafias auf. Für sein Engagement erhielt er 2011 den Menschenrechtspreis der International Bar Association und 2012 den des Deutschen Richterbundes. Im Oktober 2013 beauftragten die Vereinten Nationen Velásquez mit der Funktion des Chefermittlers der Internationalen Kommission gegen die Straflosigkeit in Guatemala. Zwischen April 2015 und Mai 2018 präsentierten er und Aldana in zahlreichen Pressekonferenzen umfangreiche Korruptionsfälle, die kriminelle Strukturen innerhalb des Staates sichtbar machten. Präsident Jimmy Morales erklärte ihn 2017 zur perona non grata und untersagt ihm seit Anfang September 2018 die Wiedereinreise nach Guatemala.

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