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Kolumbien: Studenten erkämpfen nach Monaten des Streiks Rekordsumme

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Der kolumbianische Präsident Iván Duque unterschreibt nach vielen Wochen des Protests von Studenten die Zusage für eine deutliche Erhöhung der Ausgaben für den Bildungssektor
Der kolumbianische Präsident Iván Duque unterschreibt nach vielen Wochen des Protests von Studenten die Zusage für eine deutliche Erhöhung der Ausgaben für den Bildungssektor

Bogotá. Nach wochenlangen Protestmärschen und Streiks in ganz Kolumbien haben Studierende und Regierung am Freitag ein Abkommen unterzeichnet. Präsident Iván Duque erklräte, es sollen in den kommenden vier Jahren mehr als 4,5 Billionen Pesos (rund 1,5 Milliarden Euro) zusätzlich in die Hochschulbildung fließen. Laut Studentenvertretern sollen es sogar 5,8 Billionen Pesos sein. Das bedeutet eine deutliche Verbesserung für die chronisch unterfinanzierten öffentlichen Universitäten.

Für die Studierendenorganisationen ist die Zusage jedoch nur ein erster Schritt. Sie kündigten für 2019 weitere Demonstrationen an. Wichtige Punkte seien noch offen. Dazu gehört die Forderung nach zinsfreien Studienkrediten sowie strukturelle Verbesserungen und Kontrolle, damit Misswirtschaft und Korruption an den Universitäten keine Chance mehr haben.

Und sie fordern für die Zuknunft noch mehr Geld, denn seit 25 Jahren stagnieren die staatlichen Ausgaben für die öffentlichen Universitäten, während die Studierendenzahlen sich nahezu vervierfacht haben. So hat sich eine "historische Schuld" von 15 Billionen Pesos (4,2 Mrd. Euro) angehäuft. Geld, das in Infrastruktur und Qualität der Bildung hätte investiert werden müssen, so eine der Hauptforderungen der Studenten.

Der Zustand der Universitäten ist desolat. Viele Gebäude sind baufällig, immer wieder brechen welche zusammen. Das Budget reicht nicht einmal mehr, um die laufenden Kosten zu decken. An der Universidad de Antioquia in Medellín, die als erste öffentliche Uni im Land zu streiken begann, hatten die Dozentinnen und Dozenten zur Teilnahme aufgerufen, weil sie keine Gehälter mehr bekamen. Seit Oktober sind bei dem nationalen Streik 27 der 32 öffentlichen Universitäten dabei.

Bei mindestens zehn landesweiten Protestmärschen gingen Hunderttausende auf die Straßen, um für die Universitäten und ihr Recht auf Bildung zu demonstrieren. Darunter nicht nur Studierende, Dozenten und Rektoren, sondern auch Eltern, Gewerkschafter und andere soziale Gruppen.

Während die Demonstrierenden überwiegend friedlich waren, ging die Anti-Aufstandseinheit der kolumbianischen Polizei (Esmad) immer wieder mit Gewalt auf die Menschen los. Präsident Duque verurteilte die Gewalt, weigerte sich aber bis zuletzt, sich mit den Studierendenvertretern zu treffen.

Seit Oktober waren mehrere Verhandlungsrunden mit Studentenvereinigungen, Bildungsministerin María Victoria Ángulo und Vertretern des Finanzministeriums ergebnislos gewesen. Bis Freitag hatte sich Duque strikt geweigert, mehr als die zunächst zugesagten 500 Milliarden Pesos (140 Millionen Euro) zusätzlich für die Hochschulbildung auszugeben. Davon wäre nur etwas mehr als die Hälfte für die öffentlichen Hochschulen gewesen.

Die Einigung am Freitag kam daher für viele überraschend. Kolumbianische Medien sehen diese auch im Zusammenhang mit der Polizeigewalt bei Studierendenprotesten in Popayán. Dort hatte am Donnerstag der Musikstudent Esteban Mosquera ein Auge verloren, was breite Empörung auslöste. Auch ein weiterer Student soll bei den Protesten am 13. Dezember schwer verletzt worden sein.

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