Mexiko / Menschenrechte

Indigene Menschenrechtsaktivistin in Mexiko verschwunden

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Obtilia Eugenio Manuel ist Menschenrechtsaktivistin und wird in Mexiko vermisst
Obtilia Eugenio Manuel ist Menschenrechtsaktivistin und wird in Mexiko vermisst

Mexiko-Stadt. Nichtregierungsorganisationen haben das Verschwinden der Indígena und Menschenrechtsverteidigerin Obtilia Eugenio Manuel und ihres Begleiters Hilario Cornelio Castro gemeldet. Sie zeigen sich besorgt und haben die Bundesregierung sowie den Gouverneur des Bundesstaates Guerrero, Héctor Astudillo Flores, aufgefordert, sich dafür einzusetzten, dass beide sofort gefunden werden.

Eugenio Manuel ist Vorsitzende der Organisation der indigenen Völker der Me'phaa (Opim). Bereits 2009 hatte der Interamerikanische Gerichtshof angeordnet, dass sie aufgrund zahlreicher Bedrohungen Schutzmassnahmen erhalten müsse. Derzeit ist sie Mitglied des Ortsrats von Ayuntla im Department Guerrero.

Die Opim prangert seit Jahren Menschenrechtsverletzungen der mexikanischen Armee gegen indigene Gemeinden an. Eugenio Manuel war Freundin und Dolmetscherin der Tlapanecas Valentina Rosendo Cantú und Inéz Fernández Ortega, die im März 2002 Anzeige gegen die mexikanische Armee wegen Vergewaltigung erstatteten. Erst im vergangenen Jahr war der Fall Cantú in den Schlagzeilen, weil ein mexikanisches Gericht auf internationalen Druck hin zwei Militärangehörige wegen Vergewaltigung verurteilte - 16 Jahre nach der Tat.

Das Menschenrechtszentrum Tlachinollan berichtet in einer Pressemitteilung, dass Eugenio Manuel aufgrund der Bedrohungslage stets in Begleitung einer Vertrauensperson reiste, in diesem Fall Hilario Cornelio Castro, ebenfalls Mitglied der Opim. Die beiden bestiegen am Dienstag den 12. Februar gegen acht Uhr morgens ein Sammeltaxi auf einer Bundesstrasse in der Nähe von Chilpancingo. Seitdem fehlt jede Spur von ihnen.

Laut Informationen von Tlachinollan und dem Solidaritätsnetzwerk "Dekade der Straflosigkeit" hat Eugenio Manuel zuletzt im November über Drohungen per Telefon gegen sie berichtet. Die Anrufer wollten sie offenbar davon abbringen, sich im neuen Gemeinderat von Ayutla zu engagieren. Die Menschenrechtsverteidigerin assoziierte die Anrufe mit der organisierten Kriminalität, die sich durch die kommunalen Räte beeinträchtigt fühlte. Laut Tlachinollan wurden die Drohungen bei der örtlichen Staatsanwaltschaft zur Anzeige gebracht, "aber wir wissen nicht, ob die Anzeige zu Ermittlungen führte oder was daraus geworden ist".

Eugenio Manuel leidet seit Jahren unter Schikanen und Morddrohungen. Die Nachrichtenagentur Cimac dokumentierte mindestens vier Fälle von Einschüchterungsversuchen, Verfolgung und physischer Gewalt zwischen den Jahren 2005 und 2013.

Das Netzwerk "Dekade der Straflosigkeit" und Tlachinollan forderten Präsident Andrés Manuel López Obrador, Gouverneur Astudillo und die neue Beauftragte der Nationalen Suchkommission (Comisión Nacional de Búsqueda, CNB), Karla Quintana Osuna, dazu auf, alle erforderlichen Maßnahmen in die Wege zu leiten, um die beiden Menschenrechtsverteidiger lebend wiederzufinden. Dem Aufruf schlossen sich zahlreiche Organisationen an, unter anderem die UN-Menschenrechtkommission in Mexiko. Diese hatte gerade am Vortag erst bekannt gegeben, dass in den ersten sechs Wochen des Jahres schon mindestens fünf Menschenrechtsaktivisten ermordet wurden.

Mexiko gehört laut der Organisation Front Line Defenders für Menschenrechtsverteidiger zu den gefährlichsten Ländern der Welt. Das gewaltsame Verschwindenlassen ist ein großes Problem: Laut dem Register der CNB werden mehr als 40.000 Menschen vermisst. Die neue Regierung unter López Obrador hat versprochen, das Problem anzugehen. Nichtregierungsorganisationen sind jedoch skeptisch. Erst im Januar hat die Regierungsmehrheit im Parlament die Gründung einer Guardia Nacional angestossen. Damit kann die Armee wie unter den Vorgängerregierungen von Calderón und Peña Nieto weiterhin im Innern eingesetzt werden - die Armee, gegen deren Menschenrechtsverletzungen Eugenio Manuel seit Jahren kämpft.

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