Brasilien: Frauen besetzen Land von Großgrundbesitzer, der in 500 Fällen sexueller Gewalt angezeigt wurde

ocupacao_mst.jpg

Aktivistinnen der Landlosenbewegung fordern Schutz vor sexueller Gewalt und Femiziden
Aktivistinnen der Landlosenbewegung fordern Schutz vor sexueller Gewalt und Femiziden

Brasília. Am Mittwoch haben 800 landlose Frauen eine Farm des früheren spiritiuellen Gurus João Teixeira Farias, bekannt als ‘João de Deus’, besetzt. Gegen ihn liegen in mehr als 500 Fällen Anzeigen wegen sexuellen Missbrauchs und sexueller Gewalt vor. Teixera wurde am Tag vor der Besetzung auf Kaution aus der U-Haft entlassen.

Die Aktivistinnen der Landlosenbewegung MST (Movimento dos Trabalhadores Rurais Sem Terra) und Bauernbewegung Via Campesina fordern mit der Besetzung, dass die Opfer von Teixeira entschädigt werden. Die Besitztümer des wegen Sexualstraftaten angeklagten Gurus sind derzeit von der Justiz konfisziert. "Diese und andere Orte, die João de Deus gehören, sind Orte der Gewalt. Diese Ländereien müsse den Opfern gewidmet werden, die hier Leid erlitten haben", so die MST-Koordinatorin Marina dos Santos.

Ferner demonstrierten die Aktivistinnen für ein Ende von und mehr Schutz vor sexualisierter Gewalt in Brasilien, das weltweit eine der höchsten Raten aufweist. "Alle zwei Stunden wird hierzulande eine Frau Opfer eines Femizids, also Mordes durch sexualisierte Gewalt. Viele weitere werden vergewaltigt und angegriffen. Mehr als 500 Frauen haben João de 'Deus' wegen sexuellen Missbrauchs und Vergewaltigung angezeigt. Doch der Staat handelt kaum. Beweis dessen ist, dass er am Dienstag auf Kaution freikam", kritisierte MST-Mitglied Antônia Ivoneide.

Die Frauen kündigten an, so lange wie möglich bleiben zu wollen. Die Lage sei angespannt, weil die Polizei mittlerweile eingetroffen sei, so Ivoneide weiter.

Teixera wurde in den 1970er Jahren für seine Tätigkeiten als sogenannter Medien- und "Psychochirurg" über die Grenzen Brasiliens hinaus bekannt. Sein Landsitz "Dom Inácio", auf dem es laut Anklage zu den Vergewaltigungen kam und das Teil der Ermittlungen ist, wurde nun im Rahmen der nationalen Kampftage der landlosen Frauen besetzt. Im Dezember 2018 wurde Teixeira öffentlich des sexuellen Missbrauchs und sexueller Gewalt beschuldigt. Seitdem haben sich mehr als 500 Frauen an die Polizei und die Staatsanwaltschaft von Goiás gewandt, um den Missbrauch durch ihn zu melden. Die meisten dieser Vorfälle ereigneten sich in seiner "Behandlungsanlage" Dom Inacio.

Ferner ist Teixeira für die Anhäufung von Großgrundbesitz und Immobilien zu Spekulationszwecken im Staat Goiás bekannt. Nach Recherchen der Zeitung Folha de São Paulo besitzt er 27 eingetragene Immobilien, davon 23 im Stadtgebiet mit 19.725 Quadratmetern, vier im ländlichen Gebiet mit 703 Hektar. Dies entspricht 985 Fußballfeldern, teilt die MST in einer Pressemitteilung mit.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr