Kongress in Mexiko für zukunftsfähige Öko-Landwirtschaft

Wissenschaft und Bewegung im Dialog. Debatte über Lösungen für eine nachhaltige Zukunft

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Das Plakat zum Kongress in Chiapas
Das Plakat zum Kongress in Chiapas

San Cristobal de Las Casas, Mexiko. In dieser Woche findet im Süden Mexikos der erste Nationale Kongress zur Agrarökologie statt. In einem breiten Bündnis laden das Bildungsinstitut Ecosur (Colegio de la Frontera Sur), die Interkulturelle Universität von Chiapas sowie 40 weitere Institutionen und Organisationen zum Kongress mit dem Titel “Agrarökologie in Mexiko, Ernährungssouveränität, Wissen, Kosmovisionen und biokulturelles Erbe” vom 12. bis 17. Mai nach San Cristobal de Lasas Casas ein. Es werden bis zu 600 Teilnehmende aus ganz Mexiko sowie weiteren lateinamerikanischen Ländern (Brasilien, Ecuador, Kolumbien, Uruguay, Venezuela), den USA und Europa (Deutschland, England, Frankreich, Holland und Spanien) erwartet.

Eine Woche lang wollen sich Wissenschaftler zusammen mit Kleinbauern und Aktivisten über agrarökologische Erfahrungen austauschen und mögliche Potenziale für die Zukunft eruieren. Mit dem Treffen soll nachhaltige Landwirtschaft gestärkt werden, die sozial gerecht ist und das bio-kulturelle Erbe respektiert und erhält.

In den letzten Jahren begünstigte die Agrarpolitik unter Einflussnahme internationaler Institutionen in Mexiko einen Prozess der Polarisierung in der Landwirtschaft und eine zunehmende Landflucht. Dies hat zur Verarmung von kleinbäuerlichen Erzeugern geführt. Ein erheblicher Teil der ländlichen Bevölkerung migriert sogar in die USA. Diese Tendenz hat sich besonders seit dem Inkrafttreten des Nafta-Freihandelsabkommens 1994 deutlich verschärft. Dazu kommt, dass Jugendliche im ländlichen Raum wenig Zukunftschancen sehen und so das bäuerliche Wissen von Generation zu Generation deutlich abnimmt.

Ein indirektes Ergebnis dieser Entwicklung ist der dramatische Verlust der Biodiversität. Wenn sich dieser Trend fortsetzt, wird die produktive Diversifizierung im Land weiter zurückgehen und die nationale Ernährungssouveränität stark gefährdet. So zeichnet sich in Mexiko bereits heute eine wachsende Abhängigkeit von Nahrungsmittelimporten ab, insbesondere bei Grundnahrungsmitteln wie Mais und Bohnen, von denen bereits die Hälfte importiert werden.

Die Regierung von Andrés Manuel López Obrador sieht die Stärkung der Agrarökologie in Mexiko als eine der zentralen Strategien der ländlichen Entwicklung in ihrem Regierungsplan.

Die Umsetzung einer Strategie zur Förderung agrarökologischer Produktionsweisen in der Landwirtschaft drängt jedoch nicht nur in Mexiko. Am 6. Mai 2019 machte zuletzt der UN-Biodiversitätsrat (IPBES) mit seinem Bericht zur globalen Artenvielfalt die Weltöffentlichkeit auf das dramatische Voranschreiten des Artensterbens weltweit aufmerksam. Die industrielle Landwirtschaft sei eine der Hauptverursacherinnen. Bis zu eine Million Tiere und Pflanzen seien vom Aussterben bedroht. Die Verluste von Ökosystemen und Arten stelle eine direkte Bedrohung der Lebensbedingungen der Menschheit in allen Regionen der Welt dar. Auch die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), wissenschaftliche Institutionen, soziale Bewegungen und (Klein-) Bauern stellen chemie- und energiebasierte Intensivierungsansätze in der Landwirtschaft immer stärker infrage.

Auch in Deutschland engagieren sich zahlreiche Akteure für eine Agrarwende. Bereits Anfang des Jahres forderten 56 Organisationen der Zivilgesellschaft von der deutschen Bundesregierung, das Potenzial der Agrarökologie zu nutzen, um Armut, Hunger, Artensterben, Bodenzerstörung und Klimakrise entgegenzuwirken. Hierfür müssen dringend Agrar-, Handels-, Ernährungs-, Forschungs-, Subventions- und Patentpolitiken überdacht und geändert werden, denn die industrielle Landwirtschaft gefährdet die Lebensgrundlagen hierzulande genauso wie im globalen Süden.

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