Venezuela: Basisorganisationen fordern Selbstverwaltung beim Wohnungsbau

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Basisbewegungen fordern eine Debatte über die Selbstverwaltung im Wohnungsbau
Basisbewegungen fordern eine Debatte über die Selbstverwaltung im Wohnungsbau

Caracas. 36 Basisgruppen aus der venezolanischen Hauptstadt Caracas und dem Bundesstaat Miranda haben für die Weiterentwicklung des staatlichen Wohnungsbauprogramms demonstriert. Sie verlangten Rederecht in einer Plenarsitzung der verfassunggebenden Versammlung (ANC), um dort ihre Forderungen und Vorschläge vorzutragen. Organisiert wurde die Aktion unter anderem von den "Venezolanischen Wohnraumversammlungen" (Asambleas Viviendo Venezolanos, AVV) und der Mieter- und Hausbesetzerbewegung.

Rigel Sergent, Sprecher der Mieterbewegung, erklärte: "Wir sind der Ansicht, dass die gegenwärtige Wirtschaftskrise umso mehr Grund ist, der organisierten Bevölkerung zu vertrauen. Deshalb wollen wir die Debatte über ein Gesetz zur selbstverwalteten Errichtung von Häusern und Wohnungen anstoßen".

Rund 37 Prozent der mehr als 2,5 Millionen Wohnungen des Sozialprogramms "Gran Misión Vivienda Venezuela" wurden von organisierten Basisgruppen geschaffen. Bis zum Jahr 2025 will die Regierung 5 Millionen Wohnungen für Familien mit geringem Einkommen bauen. Die Wohnraumbewegungen schlagen vor, dass ihnen die Verantwortung für 50 Prozent der gesamten Bauarbeiten übertragen wird.

"Wir reden nicht nur von den notwendigen Ressourcen, sondern davon, dass die Bedingungen dafür geschaffen werden", führt Sergent aus. "Das bedeutet Zugang zu Grundstücken in Gemeinbesitz und zu Produktionsmitteln. Der Staat geht Kooperationen mit der Privatwirtschaft ein. Aber wir glauben, dass wir auch in der Lage sind, zum Beispiel Ziegel in großem Umfang zu produzieren." Immer wieder kommt es zu Verzögerungen, überteuerten Materialkäufen und zu Korruptionsfällen, in die Privatunternehmen und oftmals staatliche oder politische Funktionäre verwickelt sind.

Die Aktivisten wollen zunächst eine Diskussion eröffnen, von der sie hoffen, dass sie im ganzen Land geführt wird.

Die Wohnraumversammlungen bestehen aus Gruppen von Familien, die sich rund um den Kampf für Wohnungen organisieren, in der Regel auf einem bestimmten Grundstück. Antonio Zambrano, ein Sprecher der AVV "Erbauer der Wabe" im Bezirk 23 de Enero in Caracas, sagte im Gespräch mit Venezuelanalysis: "Wir haben den Willen, die Leute, die Fähigkeit und die Erfahrung um Häuser zu bauen, aber wir brauchen ein Gesetz, das uns dabei unterstützt". Es sei wichtig, der organisierten Bevölkerung diese Verantwortung zu übertragen, denn bei den Privatunternehmen "sind die Ressourcen nie ausreichend und es gibt keine Rechenschaftspflicht". Zambranos AVV gehört zur Kommune El Panal (Die Wabe). "Zu unserer Vorstellung als Kommune gehört, dass wir an uns selbst glauben“, betont er. "Wir unternehmen bereits eine Vielzahl produktiver Aktivitäten und wir haben vier kleinere Wohnhäuser gebaut oder wiederhergestellt . Wir glauben daher, dass wir durch Selbstverwaltung, Organisierung und Planung die Probleme der Gemeinschaft angehen können."

Die Demonstration, die im Zentrum von Caracas startete, wurde bei ihrer Ankunft vor dem Parlament, dem Tagungsort der ANC, von keinem ihrer Mitglieder empfangen. Sicherheitskräfte dirigierten die Aktivisten zum nahe gelegenen "Casa Amarilla", wo sie einen formellen Antrag auf Rederecht stellen sollten. Der ANC-Abgeordnete und frühere Wohnungsbauminister, Ricardo Molina, nahm ihr Schreiben in Empfang und versprach, es an die Leitung der Versammlung zu übergeben und sicherzustellen, dass das Gremium die Vorschläge ernst nimmt.

Die Basisbewegungen haben angekündigt, alle zwei Wochen zu demonstrieren, bis ihr Ziel erreicht ist.

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