Argentinien: Vermögen Macris während Präsidentschaft nochmals stark gewachsen

Vermögenswerte um 50 Prozent angestiegen. Gute Zeiten auch für wichtige Minister und politische Vertraute seines Bündnisses Cambiemos

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Gut gelaufen: Das Vermögen von Argentiniens Präsident Macri ist während seiner Amtszeit weiter gewachsen
Gut gelaufen: Das Vermögen von Argentiniens Präsident Macri ist während seiner Amtszeit weiter gewachsen

Buenos Aires. Das Vermögen von Argentiniens Präsident Mauricio Macri und wichtiger Minister sowie politischer Freunde ist seit der letzten Überprüfung durch die Antikorruptionsbehörde (OA) deutlich gestiegen. Sie konnten trotz der wirtschaftlich angespannten Lage ihr deklariertes Kapital seit der letzten Prüfung um bis zu 100 Prozent steigern. Während der Großteil des Landes durch die Wirtschaftskrise und die weiterhin hohe Inflationsrate finanziell ums Überlegen kämpft, scheinen die politisch Verantwortlichen nicht betroffen.

In seiner letzten gegenüber der OA eingereichten eidesstattlichen Erklärung wies Macri 151 Millionen argentinische Pesos (etwa drei Millionen Euro) als Vermögenswerte aus. Diese stiegen damit um rund 50 Prozent. Zuletzt hatte er knapp 100 Millionen Peso deklariert. Das Privatvermögen Macris wuchs folglich trotz einer nach wie vor rund 45-prozentigen Inflationsrate im Land weiter.

Jedoch stieg nicht nur das Vermögen des Präsidenten, sondern auch wichtige Minister und politische Vertraute seines Bündnisses Cambiemos erleben finanziell gute Zeiten. Der Chef des argentinischen Nachrichtendienstes AFI und Fußballunternehmer, Gustavo Arribas, wies 2018 rund 280 Millionen Peso (5,6 Millionen Euro) als Vermögen aus und damit fast 100 Prozent mehr als noch 2017. Finanzminister Nicolás Dujovne deklarierte rund 218 Millionen Peso (knapp 4,4 Millionen Euro). Auch dies ist ein Anstieg um 80 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Liste der von der Inflation unberührten Politiker des Macri-Lagers ist dabei noch weitaus länger.

Diese Entwicklung muss auch vor dem Hintergrund der zuletzt extrem steigenden Armutsraten im Land gesehen werden. So waren im ersten Halbjahr dieses Jahres mehr als 14 Millionen Argentinier von Armut betroffen. Das sind 35 Prozent der Bevölkerung und drei Prozentpunkte mehr als noch zum Jahresende 2018. Extreme Armut betrifft sieben Prozent der Menschen im Land.

Bei der vergleichsweise gemäßigt wirkenden Vermögenshöhe des Präsidenten muss berücksichtigt werden, dass die Familie Macri zu den reichsten Familien des Landes zählt. Ihr Vermögen wurde zuletzt auf rund 500 Millionen Euro geschätzt. Dieses Vermögen stammt vor allem aus der Zeit der Militärdiktatur, wie unter anderen die Abgeordnete Alcira Argumedo im Jahr 2017 im Parlament eindrucksvoll beschrieb. Die Familie Macri, Großgrundbesitzer und Unternehmer aus Italien, lebt seit Ende der 1940er Jahre in Argentinien. Der Vater des Präsidenten, Franco Macri,  war bis zu seinem Tod im März dieses Jahres Chef der Macri-SOCMA-Gruppe. Sie besteht aus Unternehmen hauptsächlich aus den Bereichen Bauwesen (SIDECO), Automobilindustrie (Sevel), Flugzeuge (Macair Jet), Gebührensystem (Pago Fácil), Müllabfuhr (Manliba) und Lebensmittelindustrie und hat Niederlassungen in Brasilien und Uruguay. Während der Diktatur (1976-1983) wuchs die Macri-SOCMA-Gruppe durch den Kauf von Unternehmen, öffentliche Arbeiten und verschiedene Konzessionen des argentinischen Staates enorm an. Ihre Unternehmen entwickelten sich rasch und zählen zu den größten Holdinggesellschaften in Amerika.

Der Präsident selbst hatte sich auch Ermittlungen im Zuge der sogenannten Panama-Leaks stellen müssen. Er schaffte es aber trotz relativ eindeutiger Hinweise auf seine Person bisher erfolgreich, seine persönliche Beteiligung an Offshore-Firmen zu negieren und die Verantwortung dafür auf seine Familie zu schieben. Da Offshore-Firmen laut geltender Gesetzgebung nicht illegal sind, kam es zu keinerlei Konsequenzen, auch nicht für den Präsidenten selbst.

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