Cambridge Analytica unterstützte Macri bei Wahlkampf in Argentinien

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Alexander Nix, Ex-CEO von Cambridge Analytica, hat vor dem britischen Unterhaus über gezielte Einflussnahme in den argentinischen Wahlen zugunsten Mauricio Macris ausgesagt
Alexander Nix, Ex-CEO von Cambridge Analytica, hat vor dem britischen Unterhaus über gezielte Einflussnahme in den argentinischen Wahlen zugunsten Mauricio Macris ausgesagt

Buenos Aires/London. Auf den knappen Wahlsieg des amtierenden Präsidenten Mauricio Macri gegen seinen damaligen Konkurrenten Daniel Scioli im Jahr 2015 soll das Datenanalyse-Unternehmen Cambridge Analytica (CA), wie auch bei den Präsidentschaftswahlen in den USA 2016, gezielt Einfluss genommen haben. Der damalige Vorsitzende des Unternehmens, Alexander Nix, hatte sich im Juni vor dem britischen Parlament zu den Praktiken der Einflussnahme über gefälschte Facebook-Profile äußern müssen. Dabei wurde auch ein Auftrag aus Argentinien vom Mai 2015 genannt. Der Bericht der Aussagen zu Argentinien liegt nun dem Portal El Destape vor.

Nix hat demnach vor dem britischen Unterhaus ausgesagt, dass CA, eine Tochtergesellschaft der britischen SCL Group, aus "oppositionellen Kreisen" kontaktiert wurde und am 27. Mai 2015 ein Treffen stattgefunden hat. Zwar konnte oder wollte Nix keine Namen nennen, wer den Kontakt hergestellt hatte, jedoch sei der Auftrag, eine" Anti-Kirchnerismus-Kampagne" zu starten, um den Wahlkampf zugunsten Macris zu beeinflussen, unmissverständlich und "offensichtlich" gewesen. Er bejahte die Frage, ob CA in Argentinien tätig gewesen sei, verwies aber auf das von den Klienten entgegengebrachte Vertrauen, keine Namen zu nennen.

Neben eigens angelegten Facebook- und Twitter-Accounts sollen auch "ehemalige Geheimdienstmitarbeiter aus Israel, den USA, Großbritannien, Spanien und Russland" bei der Kampagne mitgewirkt haben. Neben der gezielten Stimmungsmache gegen den Kandidaten des Mitte-links-Bündnisses "Front für den Sieg" (Frente para la Victoria, FPV), Scioli und Ex-Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner sollen in öffentlichen Diskussionen auch Daten von Nutzern der sozialen Netzwerke gezielt gestohlen worden sein, um so die Kampagne steuern zu können. Der Abgeordnete der FPV, Leopoldo Moreau, sprach von einer neuen Form des Wahlbetrugs und forderte eine umfassende Untersuchung. Macri hatte die Stichwahl gegen Scioli damals mit 51 zu 49 Prozent gewonnen.

Das Regierungslager sieht sich momentan auch schweren Vorwürfen der illegalen Wahlkampffinanzierung ausgesetzt. Bei den Parlaments- und Senatswahlen 2017 soll die Partei Macris Wahlkampfspender falsch ausgewiesen haben. So tauchten Listen auf, aus denen Sozialhilfeempfänger als Großspender hervorgingen. Vor allem die Gouverneurin der Provinz Buenos Aires, María Eugenia Vidal, steht im Mittelpunkt der Affäre. Der bereits als potentielle zukünftige Präsidentin gehandelten Vidal droht nun ein Verbot, bei kommenden Wahlen als Kandidatin antreten zu dürfen.

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