Erneut Demonstrationen von Studierenden in Kolumbien

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Menge Demonstranten mit Plakaten
Um ihr Recht auf Bildung zu verteidigen gingen die Studierenden erneut auf die Straße.

Bogotá. Genau ein Jahr nach dem Auftakt zum dreimonatigen Streik gingen die Studierenden am 10. Oktober 2019 erneut auf die Straßen. Dieses Mal um gegen die Nichteinhaltung des damals geschlossenen Abkommens, das den Streik beendete, zu protestieren.

In Bogotá, Cali, Medellín, Cúcutá, Bucaramanga und vielen weiteren Städten Kolumbiens nahmen Tausende Studierende an den Demonstrationen teil, zu denen die Nationale Vereinigung der Hochschulstudenten (Unión Nacional de Estudiantes de la Educación Superior, UNEES) aufgerufen hatte. Neben der Forderung nach Erfüllung der von der Regierung zugesagten Vereinbarungen protestierten die Studierenden gegen die Polizeigewalt der Spezialeinheit des Mobilen Aufstandskommandos (Escuadrón móvil anti-disturbios, ESMAD).

Die Vertreter der Studierenden kritisieren, dass die Regierung nicht die zugesagten Gelder bereitstellt, die der öffentlichen Bildung fehlen. So sollen anstatt der versprochenen knapp 80 Millionen Euro lediglich 23 Millionen Euro an das Verwaltungsreferat für Wissenschaft, Technologie und Innovation (Colciencias) geflossen sein. Die Bildungsministerin María Victoria Angulo beteuert jedoch, dass bereits gehandelt wurde und dass für 2020 ein Etat von über drei Millionen Euro (12 Milliarden Pesos) geplant ist.

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Neben Studierenden der öffentlichen Universitäten beteiligten sich auch Studierende der private Universitäten Javeriana, El Rosario und Los Andes. Die Demonstrationen verliefen größtenteils friedlich, mit Gesägen, Tanz und künstlerischen Interventionen. Lediglich nach Ankunft auf dem zentralen Platz Bolívar im Zentrum Bogotás sowie in weiteren Städten kam es zu gewaltvollen Auseinandersetzungen zwischen Vermummten und dem ESMAD. Mit Tränengas und Schallbomben (aturdidoras) räumte das ESMAD den Platz, nachdem die Polizei mit Steinen und Farbpatronen angriffen wurde.

Bereits vor zwei Wochen kam es in Bogotá zu verschiedenen Protestaktionen. Auslöser dieser Protestwelle war das Aufdecken eines Korruptionsfalls in der Universidad Distrital in Bogotá. Laut Staatsanwaltschaft soll der Ex-Direktor, Wilman Muñoz Prieto, mehr als zwei Millionen Euro (zehn Milliarden Pesos) der Universität veruntreut haben. Das gewaltvolle Einschreiten des ESMAD bei den Demonstrationen am Eingang zur Universität kritisieren die Studierenden öffentlicher und privater Universitäten. Seitdem fordern sie die Abschaffung der Spezialeinheit der Polizei sowie die Rechenschaft im Korruptionsfall.

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