Uruguay / Politik

Stichwahl in Uruguay wahrscheinlich, Rechter schmiedet Allianzen

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Daniel Martínez bei der Stimmabgabe in Uruguay
Daniel Martínez bei der Stimmabgabe in Uruguay

Montevideo. Umfrageinstitute in Uruguay haben nach der Präsidentschafts- und Parlamentswahl am Sonntag eine Stichwahl zwischen den Kandidaten Daniel Martínez von der Linkskoalition Frente Amplio (Breite Front) und Luis Lacalle Pou von der Partido Nacional (Nationalpartei) prognostiziert. Die zweite Runde um das Präsidentenamt soll am 24. November stattfinden.

In einem TV-Interview sah der Direktor des Umfrageinstitutes Equipo Consultores, Ignacio Zuaznabar, den linksgerichteten Martínez nach Auszählung von 90 Prozent der Stimmen mit 39,9 Prozent der Stimmen vorne. Martínez’ konservativer Herausforderer Lacalle Pou erreichte demnach 29 Prozent. Andere Wählerbefragungen fielen in der Tendenz ähnlich aus.

Der Kandidat der konservativen Colorado-Partei, Ernesto Talvi, erreichte nach dieser Prognose zwölf Prozent und der Vorsitzende der rechtspopulistischen Partei Cabildo Abierto, Guido Manini Ríos, 10,5 Prozent der Stimmen.

Zuaznabar verwies darauf, dass dies vorläufige Daten seien. Es sei jedoch schon jetzt klar, dass es eine Stichwahl geben wird. "Der Prozentsatz mag sich für die Frente Amplio und die Partido Nacional noch etwas nach oben oder unten bewegen, aber es zeichnet sich ab, dass die Partido Nacional, die Colorado-Partei und Cabildo Abierto gemeinsam die parlamentarische Mehrheit stellen werden", sagte er.

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Lacalle Pou am Wahlabend in Uruguay
Lacalle Pou am Wahlabend in Uruguay

Kleinparteien wie Peri und die Volkspartei erhielten lediglich 1,1 Prozent, die Unabhängige Partei ein Prozent, die Volkseinheit (Unidad Popular) 0,6 Prozent, die Arbeiterpartei (Partido de los Trabajadores) und die Digitalpartei (Partido Digital) beide jeweils 0,1 Prozent.

Die Regierungskoalition der Frente Amplio hat seit 2014 rund zehn Prozentpunkte eingebüßt. Sie hat zudem ihre bisherige absolute Mehrheit im Parlament verloren. Nach ersten Hochrechnung wird das Regierungslager nur über 13 der 30 Senatoren und 41 der 99 Abgeordneten verfügen.

Nach der Bekanntgabe der vorläufigen Ergebnisse sagte Lacalle Pou, er setze für den 24. November auf die Unterstützung anderer politischer Gruppierungen. Erste telefonische Kontakte habe es bereits gegeben. Sowohl die Colorado-Partei um Ernesto Talvi und Guido Manini Ríos von Cabildo Abierto als auch andere Parteien sicherten dem Konservativen bereits ihre Unterstützung zu.

Der Kandidat wandte sich auch an seinen linksgerichteten Gegner Martinez, "gegen den wir am 24. November antreten werden". Er werde "auf Vereinbarungen Wert legen, die in Demut erzielt werden müssen", sagte Lacalle Pou. Die kommende Regierung werde keine Regierung der Partido Nacional sein, sondern eine Koalitionsregierung unter seiner Führung. Dies sei ein wesentlicher Unterschied.

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