Fußballfan in Chile wird von Polizei-LKW überfahren

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Landesweit protestierten Menschen in Chile nach dem Tod von Jorge Mora Herrera gegen die Repression
Landesweit protestierten Menschen in Chile nach dem Tod von Jorge Mora Herrera gegen die Repression

Santiago. Nach einem Spiel der Fußballmannschaft des CSD Colo-Colo ist es am Dienstagabend zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen. Dabei wurde der 37-jährige Fußballfan Jorge Mora Herrera von einem Polizei-LKW erfasst und erlag wenig später im Krankenhaus seinen Verletzungen. Ein Video von dem Vorfall zeigt, wie der Polizeiwagen beim Abbiegen von Protestierenden mit Steinen beworfen wird und Herrera dann ungebremst umfährt. Gegen zur Hilfe eilende Menschen wurden Wasserwerfer eingesetzt. In einer Pressemitteilung der Polizei steht, dass auf Grund der durch Steinwürfe beschädigten Windschutzscheibe die Sicht des Fahrers eingeschränkt gewesen sei.

Als Reaktion auf den Vorfall kam es in der Nacht zu Mittwoch zu Auseinandersetzungen zwischen Protestierenden und Sicherheitskräften im Raum Santiago. Drei Busse gingen in Flammen auf und brannten komplett aus, ein Polizist wurde durch einen Molotowcocktail verletzt. Gegen den Fahrer des Polizeiwagens sind Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet worden.

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Unter Hashtags wie #JusticiaParaJorgeMora und #justiciaParaElNeco wird des durch die Polizei zu Tode gekommenen Fußballfans gedacht
Unter Hashtags wie #JusticiaParaJorgeMora und #justiciaParaElNeco wird des durch die Polizei zu Tode gekommenen Fußballfans gedacht

Das Nationale Institut für Menschenrechte (Instituto Naciónal de Derechos Humanos, INDH) hat diese Entscheidung scharf kritisiert und rief das zuständige Gericht auf, stattdessen ein Verfahren wegen unnötiger Gewaltausübung mit Todesfolge anzustrengen. Herreras Vater forderte Gerechtigkeit für seinen Sohn. Er sei überzeugt, dass es sich nicht um einen Unfall handelte. "Er [der Fahrer] hätte bremsen müssen. Als er abbog waren da Menschen. Es ist alles aufgenommen worden", so der Vater des Opfers gegenüber dem Nachrichtenportal El Desconcierto. Gerechtigkeit in Chile sei allerdings etwas anderes als in anderen Ländern, "hier passiert einfach nichts“, beklagte der Angehörige.

Diese Aussage erinnert an den Fall von Alex Núñez. Am 23. Oktober des vergangenen Jahres, fünf Tage nach Beginn der sozialen Proteste, wurde Núñez in der Nähe der Metrostation Sol im Zentrum Santiagos von Polizisten zu Tode geprügelt. Nach nunmehr über drei Monaten gibt es immer noch keine genauen Erkenntnisse über den Tathergang. Die Polizei verweigert jegliche Auskunft mit dem Verweis auf laufende Ermittlungen. Die Staatsanwaltschaft erklärt, momentan könne man noch nicht den genauen Ort ausmachen, an dem Núñez die letztlich tödlichen Schläge erhielt.

Diese beiden Fälle stehen neben mehreren Tausend weiter unaufgeklärten Fälle von mutmaßlicher Polizeigewalt seit dem Beginn der Proteste.

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