Coronavirus macht vor Lateinamerika nicht halt

Bereits zwei Tote. 14 Länder insgesamt betroffen. Regierungen ergreifen teils sehr unterschiedliche Maßnahmen. Mehr Infektionen erwartet

bildschirmfoto_2020-03-11_um_16.54.39.png

Die Ausbreitung des Coronavirus in Lateinamerika am Mittwoch
Die Ausbreitung des Coronavirus in Lateinamerika am Mittwoch

Brasília et al. Das sich weltweit immer weiter ausbreitende Coronavirus ist auch in den Ländern Lateinamerikas eines der beherrschenden Themen der letzten Tage und Wochen. Zwar ist die Zahl der Infizierten um ein Vielfaches geringer als in Europa, dennoch gehen Experten davon aus, dass sich das Virus in der nächsten Zeit auch in dieser Region weiter und schneller ausbreiten wird als bislang.

Bis zum gestrigen Mittwochabend waren aber erst 141 Fälle in Lateinamerika bestätigt, dazu 16 in der Karibik. Das ist im Vergleich zu weltweit über 120.000 Erkrankten bislang noch nur ein Bruchteil. Insgesamt sind nach Zahlen der Johns-Hopkins-Universität bis Mittwoch 13 Staaten Lateinamerikas von dem Virus betroffen. Die meisten Fälle gibt es in Brasilien mit 37.

Für Präsident Jair Bolsonaro dennoch kein Grund zur Aufregung. Bei einem viertägigen Auslandsaufenthalt im US-Bundesstaat Florida erklärte Bolsonaro nach einem Treffen mit Präsident Donald Trump, er sehe keine Krise: "Ich glaube, da gibt es einen Teil von Phantasie oder Fiktion. Das ist alles nicht so schlimm." Wichtig erschienen ihm hingegen die Auswirkungen des Coronavirus auf die Wirtschaft, dennoch sehe man auch hier die Übertreibungen der Medien: "Einige in der Presse schaffen es, eine Senkung des Ölpreises in eine Krise umzudeuten." Entsprechend sind bislang keine Maßnahmen des brasilianischen Staates gegen die Ausbreitung des Virus bekannt.

Anders sieht die Lage im Nachbarland Argentinien aus, das mit 19 registrierten Fällen die zweitmeisten Infizierten aufweist. Darüber hinaus war Argentinien das erste Land, in dem ein Mensch an dem Virus verstarb. Bislang gab es dort eine freiwillige Quarantäne für Personen, die aus Hochrisikoländern wie China oder Italien einreisten. Nun wurde diese freiwillige Maßnahme in eine obligatorische umgewandelt. Wer diese nicht einhalte, mache sich wegen Gesundheitsgefährdung der Allgemeinheit strafbar, so Präsident Alberto Fernández nach einer Kabinettssitzung am Montag. Weiterhin prüfe man, den Flugverkehr mit Italien übergangsweise einzustellen und wie man mit öffentlichen Großveranstaltungen umgehen soll. Eine Entscheidung hierüber werde in den kommenden Tagen fallen. Trotz dieser Maßnahmen rief Fernández zur Gelassenheit der Bevölkerung auf. Am Mittwoch gab das Sportministerium bekannt, bis auf Weiteres alle Sportveranstaltungen mit internationalen Athleten abzusagen. Betroffen hiervon sind unter anderem die südamerikanischen Leichathletikmeisterschaften.

Auch in Chile, das mit 17 bekannten Infizierten gemeinsam mit Ecuador auf Rang drei der nachgewiesen Fälle folgt, besteht inzwischen eine obligatorische 14-tägige Quarantäne für Einreisende aus Risikogebieten. Die größte chilenische Airline Latam kündigte an, ihre Route São Paulo-Mailand bis zum 16 April einzustellen. Als Begründung nannte Latam die Ausbreitung des Virus in Norditalien sowie den Rückgang der Nachfrage.

Drastischere Maßnahmen wurden derweil bereits in Paraguay angewandt. Nachdem am Dienstag ein zweiter Fall bekannt wurde, sagte die Regierung alle öffentlichen Großveranstaltungen bis auf Weiteres ab. Auch der Unterricht wurde landesweit für 15 Tage ausgesetzt.

Ähnlich geht El Salvador gegen die Ausbreitung des Virus vor. Zwar sind bislang keine Erkrankungen aus dem zentralamerikanischen Land bekannt, dennoch verbot Präsident Nayib Bukele die Einreise aus Spanien, mit der Ausnahme diplomatischen Personals. Zuvor hatte es bereits eine Reihe von Einreiseverboten aus anderen Ländern gegeben, darunter auch Deutschland, Frankreich und USA.

Der zweite und bislang letzte Todesfall Lateinamerikas wurde in Panama festgestellt, insgesamt sind dort bisher acht Erkrankungen bekannt. Als Reaktion wurden auch hier Großereignisse bis auf weiteres abgesagt und der Unterricht in Teilen des Landes ausgesetzt.

Kuba, das bislang nicht betroffen war, hat am Mittwoch drei Fälle gemeldet.

Trotz der schnellen Ausbreitung sei Lateinamerika gut vorbereitet, so der Epidemiologe Jorge Victoria bei einer Tagung der Gesundheitskommission des Lateinamerikanischen Parlaments vergangene Woche in Panama. Die Erfahrungen, die die Staaten Lateinamerikas und der Karibik in der Vorbeugung von Krankheiten wie Masern oder dem Virus H1N1 (Schweinegrippe) sammeln konnten, seien nun eine wichtige Erfahrung im Kampf gegen das Coronavirus.

Am Mittwochnachmittag stufte die Weltgesundheitsorganisation das Coronavirus als globale Pandemie ein. Weltweit sind bislang über 120.000 Menschen in 114 Ländern erkrankt, mehr als 4.500 starben.

Anmerkung der Redaktion: Die im Artikel verwendeten Zahlen entsprechen den durch die Johns-Hopkins-Universität gemeldeten Fällen am späten Mittwochabend

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr