US-Ökonomen: US-Sanktionen verschärfen weltweite Corona-Pandemie

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Kritisiert US-Sanktionen mit und ohne Coronavirus: US-Ökonom Jeffrey Sachs
Kritisiert US-Sanktionen mit und ohne Coronavirus: US-Ökonom Jeffrey Sachs

Washington/Caracas. Eine Gruppe US-amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler hat die Regierung der Vereinigten Staaten aufgefordert, einseitige Zwangsmaßnahmen gegen Länder wie Venezuela, Kuba und Iran angesichts der Corona-Krise unverzüglich aufzuheben. Venezuela erneuerte indes einen Kreditantrag an den Internationalen Währungsfonds.

Die US-Ökonomen betonen, dass ihre Forderung nach einem Ende der Sanktionen darauf abzielt, eine Ausbreitung des Coronavirus SARS-CoV-2, von der weltweit bereits mehr als 200.000 Menschen betroffen sind, auszubremsen.

Die Sanktionspolitik sei ohnehin unverhältnismäßig und verstoße eklatant gegen das Völkerrecht. "Noch schlimmer aber ist, dass diese Sanktionspolitik nun die Coronavirus-Pandemie verstärkt. Es ist unbedingt erforderlich, dass die Vereinigten Staaten diese unmoralischen und illegalen Sanktionen aufheben, damit Iran und Venezuela die Epidemie so effektiv und schnell wie möglich bekämpfen können", sagte der Professor und Direktor des Zentrums für nachhaltige Entwicklung an der Columbia University, Jeffrey Sachs.

Der US-Ökonom zeigte sich davon überzeugt, dass die einzige Funktion der US-Sanktionen gegen diese drei Nationen darin bestehe, "Druck auf diese Regierungen auszuüben, indem sie weit verbreitetes Leid verursachen".

Die venezolanische Regierung hat indes einen Antrag auf eine Milliarde US-Dollar Unterstützung an den Internationalen Währungsfonds (IWF) erneuert, nachdem ein größeres finanzielles Rettungspaket von der Washingtoner Organisation abgelehnt wurde, berichtet die US-Nachrichtenagentur Bloomberg.

Die Regierung von Nicolás Maduro argumentiert, dass die Notfallfonds durch Programme zum Kauf von Lebensmitteln und Medikamenten und zur Verbesserung der Infrastruktur einiger Krankenhäuser zur Versorgung von Patienten mit der Atemwegserkrankung Covid-19 bereitgestellt werden könnten, so Bloomberg unter Berufung auf drei namentlich nicht genannte IWF-Funktionäre.

Ein IWF-Pressesprecher sagte demnach, dem Fonds sei die humanitäre Krise in Venezuela bewusst. Er verwies aber auf eine Erklärung vom Mittwoch als Antwort auf den vorherigen Antrag Venezuelas auf fünf Milliarden US-Dollar. Darin hatte der IWF die Anfrage der Regierung Maduro zurückgewiesen, da diese "von der internationalen Gemeinschaft" nicht anerkannt werde. Die USA und westliche Staaten, die im IWF die Mehrheit haben, erkennen den selbst ernannten Interimspräsidenten und Maduro-Gegner Juan Guaidó an.

Die IWF-Chefin Kristalina Georgiewa hatte zuvor öffentlich erklärt, dass ihre multinationale Institution über flexible Notfallkredite "bereits 40 Vereinbarungen – sowohl ausgezahlte als auch vorsorgliche – mit kombinierten Verpflichtungen in Höhe von etwa 200 Milliarden US-Dollar abgeschlossen hat". In vielen Fällen könnten diese Vereinbarungen eine Grundlage für die rasche Auszahlung von Krisenfinanzierungen bieten. Sie fügte hinzu: "Etwa 20 weitere Länder haben ebenfalls Interesse gezeigt, und wir werden in den kommenden Tagen mit ihnen beraten."

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