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Chile: Wasserknappheit verschärft Covid-19-Krise

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Aufgrund hoher Trockenheit in Chile sind auch die Hygienemaßnahmen wegen der Corona-Pandemie kaum einzuhalten
Aufgrund hoher Trockenheit in Chile sind auch die Hygienemaßnahmen wegen der Corona-Pandemie kaum einzuhalten

Santiago. Mitten in der Corona-Pandemie erlebt Chile das trockenste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Besonders betroffen sind die Gemeinden Petorca, Cabildo und La Ligua in der Region Valparaíso. Dort müssen die Bewohner momentan mit Wassertanks versorgt werden. Sie erhalten weniger als 50 Liter Wasser pro Tag, was dem von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen Minimum entspricht.

"Diese Menge reicht nicht aus, um minimale Hygienemaßnahmen zur Bewältigung der Gesundheitskrise zu ergreifen, wie häufiges Händewaschen, Sanitäranlagen im eigenen Haushalt oder die Desinfektion von Gemeinschaftsplätzen", nimmt das chilenische Menschenrechtsinstitut (INDH) Stellung. Diese Woche gab das INDH zudem bekannt, aus diesem Grund eine Verfassungsbeschwerde einzureichen. Der Staat erfülle seine Aufgabe der Wasserversorgung nur unzureichend und gefährde somit das Menschenrecht auf Leben sowie auf physische und psychische Integrität, so das Institut in seiner Begründung.

Bereits seit mehreren Monaten deklariert das zuständige Ministerium zunehmend Gemeinden als Zonen, die unter Wasserknappheit leiden. Mehrere 100.000 Personen sind davon bereits betroffen. Von verschiedenen Seiten wird immer wieder kritisiert, dass nicht allein der Klimawandel an der aktuellen Situation schuld ist. Insbesondere die Landwirtschaftsindustrie, wie beispielsweise der vor allem für den Export bestimmte Avocadoanbau, aber auch der Bergbau verbrauchen große Mengen von der knappen Ressource, während das Wasser Kleinbauern und Bewohnern nicht ausreicht.

Chile gilt weltweit als eines der Länder mit der höchsten Privatisierungsrate bei Wasserressourcen und -versorgung. Dies geht auf ein Gesetz aus den 1980er Jahren und die Verfassung zurück, als während der Militärdiktatur der Privatbesitz von Wasser abgesichert wurde.

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