Nach illegalen Waffendeals in Lateinamerika: Sig Sauer schließt in Deutschland

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Corpus delicti: Sig Sauer SP 2022 mit Magazin
Corpus delicti: Sig Sauer SP 2022 mit Magazin

Eckernförde/Bogotá/Mexiko-Stadt. Kritiker der Rüstungsindustrie in Deutschland haben die Einstellung der Geschäfte des Waffenherstellers Sig Sauer in Deutschland begrüßt. Die Firma hatte am Donnerstag erklärt, aufgrund der "Standortnachteile in Deutschland" sei hierzulande keine wirtschaftliche Produktion von Sport- und Behördenwaffen mehr möglich. Sig Sauer war in den vergangenen Jahren in Fälle illegalen Waffenexports nach Lateinamerika verwickelt.

Die Friedensinitiative "Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel!" verwies vor dem Hintergrund der Werksschließung in Deutschland auf eine Verurteilung von Sig Sauer vor dem Landgericht Kiel wegen nachweislich illegaler Exporte von rund 38.000 Pistolen nach Kolumbien. Die Waffen waren zunächst legal in die USA ausgeführt worden und von dort aus illegal in das südamerikanische Land. Das Landgericht Kiel hatte daraufhin drei führende Sig-Sauer-Manager auf Bewährung verurteilt.

Das Unternehmen selbst musste rund elf Millionen Euro Geldstrafe zahlen und ging vor dem Bundesgerichtshof in Berufung. In dem Verfahren hatten die Manager gestanden, für die Lieferung von fast 50.000 Pistolen vom Typ SP 2022 aus Deutschland an eine Schwesterfirma in den USA zwischen 2009 und 2011 verantwortlich zu sein. Von diesem Kontingent waren die 38.000 Pistolen entgegen den Bestimmungen des deutschen Außenwirtschaftsgesetzes und des Kriegswaffenkontrollgesetzes nach Kolumbien weiterverkauft worden.

Die Initiative "Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel!" bezeichnete diese Politik und die nun verkündete Schließung des Unternehmens in Norddeutschland als "Ergebnis einer völlig verfehlten Geschäftspolitik". Der deutsche Filmemacher Daniel Harrich habe dokumentiert, dass Sig Sauer neuerliche Pistolenexporte – nunmehr nach Mexiko – getätigt hat. Die Staatsanwaltschaft Kiel prüfe nun die Rechtmäßigkeit dieser Geschäfte.

"Der Wermutstropfen ist, dass SIG Sauer Inc. in den USA offenbar weiterhin skrupellos Kleinwaffen exportiert", kommentierten die Friedensaktivisten.

Das Unternehmen selbst hatte beklagt, dass die Nutzung von Sportwaffen gesetzlich immer mehr eingeschränkt werde. Bei der Vergabe von Behördenaufträgen würden "einige wenige lokale Produzenten bevorzugt". Sig Sauer werde hingegen "von den Ausschreibungen systematisch ausgeschlossen".

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