Argentinien und Ecuador einigen sich mit Gläubigern auf Umschuldung

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Der weltweit größte Vermögensverwalter Blackrock spielte bei den Verhandlungen für die Umstrukturierung der Schulden eine entscheidende Rolle
Der weltweit größte Vermögensverwalter Blackrock spielte bei den Verhandlungen für die Umstrukturierung der Schulden eine entscheidende Rolle

Buenos Aires/Quito/New York. Nach mehreren Monaten und vielen Verhandlungsrunden haben sich die Regierungen von Argentinien und Ecuador mit ihren privaten Gläubigern auf eine Umschuldung geeinigt. Während Ecuador bereits seit längerem auf einem guten Weg schien, musste Argentinien bis zuletzt hart verhandeln, um den drohenden kompletten Zahlungsausfall und damit einen weiteren Staatsbankrott zu verhindern.

Die argentinische Regierung hatte den Gläubigern bis zum gestrigen Dienstag ein Ultimatum für eine Einigung zur Restrukturierung ihrer Forderungen im Wert von rund 66 Milliarden US-Dollar gestellt. Einen Tag vor Ablauf der Frist einigte man sich nun auf die Zahlung von 54 Dollar pro ursprünglich geliehenen 100 Dollar. Das nach eigener Aussage "ultimative Angebot" Argentiniens hatte bei 53,5 Dollar gelegen, die hart verhandelnden Gläubigergruppen, insbesondere die Ad Hoc-Gruppe um die großen Investmentfonds Blackrock, Fidelity und Ashmore, wollten 56 Dollar. Aber auch die beiden anderen wichtigen Gläubigergruppen Exchange Bondholder Group und der Ausschuss der privaten Gläubiger argentinischer Staatsschulden (ACC) stimmten dem Deal zu.

Vor allem Blackrock war zuletzt international, wie in einem Beitrag der New York Times von vergangener Woche, in die Kritik geraten, da das Unternehmen sich in Bezug auf Argentinien als harter Verhandlungspartner erwiesen hatte. Man würde die angespannte soziale Lage im Land komplett außer Acht lassen, schrieb die US-Zeitung.

Wie aus einer offiziellen Stellungnahme der argentinischen Regierung am frühen Dienstagmorgen hervorging, einigte man sich nun auf die Verschiebung der Zahlungstermine der neu verhandelten Anleihen. Dies soll die Einigung entscheidend unterstützt haben. Die Rückzahlung der einzelnen Anleihen soll in den Jahren 2024, 2025 und 2027 beginnen und bis 2038 abgeschlossen sein. Insgesamt soll sich die Rückzahlungsumme durch den Umschuldung um rund 37 Milliarden US-Dollar verringern. Damit hat die Wirtschaft des Landes nun, auch in Zeiten der Corona-Pandemie, dringend benötigten Spielraum bekommen. Außerdem bestätigte sich, dass die Verhandlungstaktik der Regierung von Präsident Alberto Fernández mit seinem Wirtschaftsminister Martin Guzmán die Richtige war. Nun stehen noch Verhandlungen mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) an, um die dort angefallenen Schulden in Höhe von 44 Milliarden US-Dollar zu verhandeln.

Auch Ecuador war mit seinem "letzten Angebot" an die Gläubiger von vor einigen Wochen erfolgreich. Zwar ging es dort um keinen unmittelbar drohenden kompletten Zahlungsausfall, weswegen die Gläubiger, zu denen auch Blackrock gehört, wohlwollender verhandelten. Präsident Lenín Moreno nannte die Einigung auf Twitter einen "Meilenstein für Ecuador, der weitere Türen der internationalen Gemeinschaft öffnet".

IWF-Chefin Kristalina Georgieva gratulierte Ecuador und zeigte sich erfreut ob des nun bevorstehenden "tieferen Dialogs zur Umsetzung des neuen Programms".

Im Fall Ecuadors ging es um die Umschuldung von etwa 17 Milliarden Dollar. Durch den nun getroffenen Deal wird die Gesamtschuldenlast um 1,5 Milliarden Dollar gesenkt, die Renditen der einzelnen Anleihen werden von 9,2 auf dann nur noch 5,3 Prozent abgesenkt. Außerdem wird die durchschnittliche Laufzeit und damit die Rückzahlungsfrist von 6,1 auf 12,7 Jahre erhöht.

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