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Polizisten einer Spezialeinheit in Venezuela wegen Tötung von zwei Journalisten in Haft

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"Gerechtigkeit für Andrés und Víctor" fordern Angehörige, Kollegen von Guacamaya TV und politische Mitstreiter der beiden ermordeten Journalisten
"Gerechtigkeit für Andrés und Víctor" fordern Angehörige, Kollegen von Guacamaya TV und politische Mitstreiter der beiden ermordeten Journalisten

Caracas. Acht Beamten der Spezialeinheit der Bolivarischen Nationalpolizei (FAES) wird die extralegale Hinrichtung von zwei Mitarbeitern eines kommunitären Fernsehsenders in Cabimas im Bundestaat Zulia vorgeworfen.

Wie Generalstaatanwalt Tarek William Saab informierte, sind José Contreras und Néstor Olano, die des vorsätzlichen Mordes angeklagt werden, sowie ihre Vorgesetzten Freddy Deroy und Deivid Guerrero in Haft. Vier weitere Polizisten, die an dem Einsatz beteiligt waren, sind untergetaucht, nachdem Haftbefehle gegen sie erlassen wurden. Staatsanwältin Jackbe Galbán wurde wegen mutmaßlicher Beihilfe zur Flucht ihres Postens enthoben und ebenfalls festgenommen.

Andrés Eloy Nieves Zacarias (33) und Víctor Manuel Torres Guerra (29) wurden am 21. August bei einer Razzia der FAES im kommunitären Sender Guacamaya TV, wo sie arbeiteten, getötet.

Saab bezeichnete das Geschehen als "beschämend" und beklagte, FAES-Agenten versuchten, die außergerichtlichen Tötungen als bewaffnete Konfrontation darzustellen und so zu vertuschen. Untersuchungen und Autopsieprotokolle zeigten, dass die Opfer sich unterhalb der Schützen befanden, auf den Knien oder sitzend, was die Hinrichtungshypothese bestätigte.

Den FAES-Beamten wird zudem vorgeworfen, nach den Hinrichtungen die Ausrüstung des Fernsehsenders gestohlen zu haben.

Innenminister Nestor Reverol bezeichnete das Geschehen als "irregulären Akt" und setzte ein multidisziplinäres Untersuchungsteam ein.

Die Hinrichtungen, ebenso wie die Versuche der FAES, die Opfer gegenüber Medien als bewaffnete Kriminelle hinzustellen, wurden von mehreren Seiten scharf verurteilt. Alternative Medien, Mitglieder der sozialistischen Jugend der regierenden PSUV und die Basisgruppe Frente Francisco de Miranda gaben Kommuniqués heraus, der Hashtag #JusticiaParaAndresYVictor (“Gerechtigkeit für Andres und Victor”) wurde in den sozialen Netzwerken stark verbreitet.

Auch die Interamerikanische Pressegesellschaft und das Internationale Presseinstitut verurteilten die Morde und forderten die Behörden zu gründlichen Ermittlungen auf.

Der Gründer von Guacamaya TV, Franklin Torres, der der Vater von Víctor Torres ist, berichtete, dass die beiden Journalisten von der FAES aus den Büros gezerrt und "abscheulich ermordet" wurden. Die veröffentlichten Informationen seien falsch und die angeblich in den Räumen des Senders gefundenen Waffen von FAES-Agenten platziert worden, versicherte er.

"Für unsere ermordeten Kinder werden wir nicht ruhen, bis der Gerechtigkeit Genüge getan ist", heißt es in einer Stellungnahme, die am Mittwoch von der Familie Torres veröffentlicht wurde. Die Angehörigen lobten die schnelle Reaktion des Büros des Generalstaatsanwalts und forderten eine gründliche Untersuchung in der gesamten Befehlskette der FAES.

Nieves und Torres werden von denen, die sie kannten, als "aufrichtige Arbeiter" beschrieben, die sich "zutiefst für ihre Gemeinschaft einsetzten". Nieves war auch Mitglied der Frente Francisco de Miranda. Er sei ein "engagierter Chavist" und ein beliebtes Mitglied der Medienszene in Venezuela gewesen, hieß es von dieser Seite.

Die Basisorganisationen erkennen die Reaktion der Behörden in diesem Fall an. Die Zunahme von brutalen Polizeitaktiken und insbesondere die FAES stehen indes weiterhin massiv in der Kritik.

Das chavistische Menschenrechtskollektiv Surgentes startete im November 2019 eine Kampagne, um die wachsende Zahl der außergerichtlichen Tötungen durch die Polizei in popularen Stadtvierteln anzuprangern und eine vom ehemaligen Präsidenten Hugo Chávez initiierte Debatte über die Polizeireform wieder in Gang zu bringen (Amerika21 berichtete).

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