Venezuela: Polizist wegen extralegaler Hinrichtung verhaftet

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Der ermordete Aktivist Jorks Fernández
Der ermordete Aktivist Jorks Fernández

Caracas. In Venezuela ist ein Mitarbeiter der Kriminalpolizei (CICPC) festgenommen worden. Er soll wegen Mordes, unangemessenen Waffengebrauchs und Hausfriedensbruch angeklagt werden, wie der venezolanische Generalstaatsanwalt Tarek William Saab auf dem Kurznachrichtendienst Twitter schrieb.

Der Polizeifunktionär Edgardo Rodríguez wird beschuldigt, bei einem Einsatz im Stadtteil Antímano der Hauptstadt Caracas eine "Auseinandersetzung vorgetäuscht" und einen jungen Mann namens Jorks Fernández ermordet zu haben. Laut Angaben der Internetplattform Aporrea war Fernández ein bekannter sozialer Aktivist, der in der Kommune "17 Voces" in Antímano engagiert war. In dem Artikel werden Familienangehörige zitiert, die den mutmaßlichen Tathergang schildern. Demnach sei der Polizist abends in Fernández' Wohnung eingedrungen und hätte den Mann erschossen. Offenbar seien die beiden zuvor in einen Nachbarschaftsstreit verwickelt gewesen.

"Der venezolanische Staat verpflichtet sich auf Grundlage der Verfassung und des Gesetzes, die Menschenrechte aller zu verteidigen und zu schützen", schrieb Staatsanwalt Saab und postete ein Bild des Ermordeten auf Twitter.

Venezuelas Polizeieinheiten werden immer wieder für außergerichtliche Hinrichtungen kritisiert. Gleichzeitig versuchen die Justizbehörden, der Straflosigkeit der Polizisten entgegenzuwirken. Anlässlich einer Pressekonferenz im September 2020 bilanzierte Saab, zwischen 2017 und 2020 seien im Zusammenhang mit solchen Ereignissen über 800 Polizeibeamte angeklagt worden, darunter auch 158 Angehörige der CICPC (amerika21 berichtete).

Damals hatte eine "unabhängige internationale Erkundungsmission" des Menschenrechtsrates der Vereinten Nationen einen Bericht über die Menschenrechtslage in Venezuela vorgelegt, in dem unter anderem auch Fälle von außergerichtlichen Hinrichtungen durch Polizeieinheiten thematisiert wurden.

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