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Mexiko: Innovatives Universitätsprojekt in Oaxaca erweitert Studienangebot

Standorte der Hochschule eröffnen im gesamten Bundesstaat. Ziel ist eine soziale Transformation durch teilhabebestimmte Lehre

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Zeremonie zur Einführung des neuen Studiengangs
Zeremonie zur Einführung des neuen Studiengangs

Oaxaca de Juárez. Seit knapp einem Jahr gibt es im südmexikanischen Bundesstaat Oaxaca eine Autonome kommunale Universität (Universidad Autónoma Comunal de Oaxaca, Uaco). Am 8. Dezember hat sie nun von der renommierten Autonomen Universität Benito Juárez (UABJO) die Akkreditierung für einen weitere Masterstudiengang erhalten.

Über sechs Jahre wurde der Studiengang "Educación comunal" entwickelt und laut dem Direktor der UABJO, Eduardo Bautista Martínez, ist er das Ergebnis einer Arbeit, die sich "aus den Bedürfnissen und Interessen der Gemeinden im Bundesstaat und dem gesamten Land ergibt". Die Themengebiete des Studiengangs "schätzen das gemeinschaftliche traditionelle Wissen, das über Generationen diskriminiert wurde". Als Bildungsinstitution komme man jetzt der Verpflichtung nach, das gemeinsame Wissen der Gemeinden und ihrer Vorfahren als wertvoll anzuerkennen.

Seit Januar 2020 haben interessierte Studierende an 15 Standorten verteilt über den gesamten Bundesstaat die Möglichkeit an einer Hochschule zu studieren, die durch die Anerkennung verschiedener Kulturformen und Erkenntnisse aus dem täglichen Miteinander ein kritisches Bewusstsein erschafft. Das Lernen für und von dem Kollektiv steht dabei im Mittelpunkt. Die Lehrenden bezeichnen sich selbst als "universitäre Gemeinschaft". Jeder, der an einem Studiengang teilnimmt, kann seine Meinung frei äußern und hat Mitbestimmungsrecht, um den Lernprozess zu bereichern und mitzugestalten.

Das Organisationsgesetz der Uuaco wurde am 15. Januar 2020 vom bundesstaatlichen Kongress in Oaxaca verabschiedet und im Amtsblatt der Regierung am 20. April dieses Jahres veröffentlicht.

Direktor ist der Sozialanthropologe Jaime Martínez Luna. Er war selbst mehrere Jahre Dozent am Institut für Erziehung der UABJO und freut sich nun über die Unterstützung der renommierten Universität. Die Uaco breche mit den klassischen akademischen Formen der universitären Bildung: "Es wird keine Lehrer und Schüler geben, ebenso keine Klassenzimmer, sondern Aktivitäten, Erfahrungsaustausch und darüber den Aufbau eines Gemeinschaftssinns […]. Hier wollen wir Menschen, die denken, glauben und schaffen in Gemeinschaft und Zusammenarbeit verbinden", erklärte er.

So soll eine neue Form des Lernens entstehen, die durch täglich neue Erkenntnisse geprägt sei und das Menschsein und das Leben in Gemeinschaft umfasse. "Wir haben so die große Möglichkeit, unser gemeinschaftliches Wissen zu stärken, um unsere Kultur und unsere Sprache zu retten, damit das Wissen unserer Vorfahren wieder zu der Kraft zurückkehrt, die es immer hatte." Jeder Standort der Uaco agiert eigenständig und kann bestimmen, wann und wie angefangen wird zu arbeiten. Gemeinsam ist allen Mitwirkenden die Orientierung an den vier Grundsäulen Gemeinsamkeiten, Territorium, Organisation und Arbeit mit der Gemeinde.

Zuletzt eröffnete am 28. November das Autonome Zentrum der gemeinschaftlichen Universität Ndaniguia in der Gemeinde San Pedro Comitancillo am Isthmus von Tehuantepec. Der Entstehungsprozess des Standortes begann vor sieben Jahren, als die Gemeinde merkte, dass es ernste Probleme gibt, die das Leben in der Region erschweren. Durch Reflektionsrunden kamen die Beteiligten damals zu der Erkenntnis, dass verschiedene politische Parteien dafür sorgten, dass sie ihre Sprache, ihre Traditionen und auch ihre Ernährungssouveranität verloren.

Jetzt kann man am Standort in San Pedro Comitancillo zwischen den zwei Studiengängen "Gemeindenahe Gesundheitsversorgung" und "Nachhaltige Nahrungsmittelsysteme" wählen. Mariana Alejandra Solórzano, Akademikerin am Sitz der Uaco in Comitancillo, betonte, dass durch eine Kooperation mit der UABJO auch an ihrem Standort bereits große Fortschritte erreicht werden konnten.

Die Uaco ist das Ergebnis diverser Prozesse, die bereits vor mehr als zwanzig Jahren von Sozialwissenschaftlern in Oaxaca angestoßen wurden. Aus einzelnen Institutionen, die sich mit dem gemeinschaftlichen Gedankengut befassten, resultierten dann später konkrete Initiativen, die dem Kongress vorgestellt wurden. In Zukunft sind weitere Kooperationen mit der UABJO geplant, bei denen humanistische Themen sowie die Stärkung von Kultur und indigener Sprachen im Fokus stehen sollen.

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