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Iran verstärkt Unterstützung für Venezuelas Erdölraffinerien

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Die Raffinerien in Venezuela können derzeit den Bedarf an Benzin und Diesel nicht annähernd decken
Die Raffinerien in Venezuela können derzeit den Bedarf an Benzin und Diesel nicht annähernd decken

Teheran/Caracas. Venezuela erhält erneut Lieferungen aus dem Iran, um seine Treibstoffproduktion anzukurbeln. Eine Reihe von Lufttransporten wird Katalysatoren und andere Materialien zum Raffineriekomplex Paraguana (CRP) im westlichen Bundesstaat Falcón liefern.

Laut Flugverfolgungsdaten ist ein Airbus der staatlichen venezolanischen Fluggesellschaft am 11. Februar in Teheran gestartet und in Paraguana gelandet. Branchenquellen sagen, dass in den kommenden Wochen ein Dutzend weiterer Flugzeuge erwartet wird.

Das südamerikanische Land leidet unter schweren Treibstoffengpässen, da seine Ölindustrie unter der Last der US-Sanktionen eingebrochen ist. Das US-Finanzministerium warnte Unternehmen davor, Benzin nach Caracas zu verkaufen, ging gegen Rohöl-für-Kraftstoff-Tauschgeschäfte vor und beschlagnahmte sogar eine für Venezuela bestimmte Treibstofflieferung.

Die einseitigen Zwangsmaßnahmen Washingtons sowie Missmanagement, mangelnde Wartung und Stromprobleme haben die Raffinerieindustrie des Landes 2019 fast zum Erliegen gebracht.

Teheran hatte in der ersten Jahreshälfte 2020 einen Luftkorridor für den Transport von Materialien und Technikern eingerichtet, um die Cardon-Raffinerie wieder in Betrieb zu nehmen, die 310.000 Barrel pro Tag (bpd) verarbeiten kann.

Die neuen Lieferungen sollen der staatlichen Erdölgesellschaft PDVSA helfen, den Stoffumwandlungsprozess (Fluid Catalytic Cracking) in der Amuay-Raffinerie wieder aufzunehmen, die 645.000 bpd verarbeiten kann. Amuay und Cardon, beide im Paraguana-Komplex, sind zwei der größten Raffinerien Amerikas.

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Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, produziert Cardon derzeit 60.000 bpd Benzin und verwendet dabei Naphtha ‒ unbehandeltes Erdöldestillat aus der Raffination von Erdöl oder Erdgas ‒, das von der nahe gelegenen Amuay geliefert wird. Beide Anlagen wurden kürzlich reaktiviert, nachdem PDVSA Lecks an Unterwasserpipelines repariert hatte.

Venezuelas Raffineriekapazitäten reichen jedoch bei weitem nicht aus, um die Nachfrage zu befriedigen, selbst bei den reduzierten wirtschaftlichen Aktivitäten unter der Covid-19-Quarantäne: Laut Argus Media liegt die inländische Nachfrage nach Benzin bei 110.000 bpd, die nach Diesel bei 100.000 bpd. Während Cardon die einzige Anlage ist, die Benzin produziert, wird Diesel sowohl im CRP als auch in der Raffinerie in Puerto La Cruz hergestellt. Die Gesamtproduktion liege derzeit bei 38.000 bpd.

Der Iran hat zusätzlich Treibstofflieferungen verstärkt, um der Regierung von Präsident Nicolás Maduro bei der kurzfristigen Behebung der Knappheit zu helfen. Die unter iranischer Flagge fahrenden Tanker "Faxon" und "Fortune" brachten in der letzten Januarwoche 400.000 Barrel Benzin. Im Lauf des vergangenen Jahres schickte Teheran  trotz der US-Drohungen zwei große Kraftstofflieferungen nach Venezuela.

Die Sanktionen der USA gegen Venezuela sind in den letzten Wochen verstärkt in den Fokus gerückt. Forderungen nach einer Lockerung kamen sowohl von der Sonderberichterstatterin des Menschenrechtrats der Vereinten Nationen als auch von einer Gruppe von US-Politikern.

Auch Erdölkonzerne wie Chevron (USA) und Reliance Industries (Indien) drängen die neue US-Regierung, einige Maßnahmen von Donald Trump rückgängig zu machen, darunter das Verbot von Swap-Geschäften.

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