Argentinien / Kultur

Debatte um Stereotype in Argentinien: Keine Wahl zur Weinkönigin

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Auslöser für Debatten über Stereotype: Wahlen zur Weinkönigin in Mendoza, Argentinien
Auslöser für Debatten über Stereotype: Wahlen zur Weinkönigin in Mendoza, Argentinien

Mendoza. Mit neun Ja-Stimmen und drei Enthaltungen hat sich der Gemeinderat im argentinischen Departamento Guaymallén in der vergangene Woche gegen die traditionelle Weinköniginnenwahl gestellt. Ignacio Conte von der Konservativen Bürgerunion UCR hatte den Gesetzesvorschlag eingebracht. Laut Conte ist er eine Antwort "auf den Paradigmenwechsel, der unsere Gesellschaft durchzieht und auf die Notwendigkeit, das Fest zu schützen und es den neuen Gegebenheiten anzupassen". Auch sein Parteikollege und Gemeindevorstand Marcelino Iglesias stimmte für die Änderung.

Guaymallén gehörte zu den 18 Departamentos der Provinz Mendoza, die seit 1936 jedes Jahr junge Frauen für die Wahlen zur Weinkönigin aufstellen. Ursprünglich wurden mit dieser Wahl junge Frauen geehrt, die in der Weinlese gearbeitet hatten. Heute gelten die verschiedenen Feiern und Umzüge zur Erntesaison im März als der Touristenmagnet in der Provinz. Jedes Jahr besuchen Tausende Menschen aus dem In- und Ausland die Region.

Die Vorsitzende des Gemeinderats in Guaymallén, Evelin Pérez, betonte gegenüber dem Radiosender der Universidad Nacional de Cuyo, die Figur der Königin befände sich bereits seit einigen Jahren im Wandel. Im Jahr 2016 wurden Anforderungen an das Aussehen der Bewerberinnen abgeschafft, später wurde eine Fortbildung verpflichtend. "Wir sehen, dass mit der Figur der Königin das Stereotyp einer Frau bestärkt wird, und haben sie deswegen abgeschafft", sagte Pérez. Guaymallén werde weiterhin an den Festlichkeiten zur Weinlese teilnehmen. "Die Idee ist, einen neuen Ort für die Repräsentation der Frau zu finden." Die Tatsache, dass der Vorschlag zur Abschaffung der Königinnenwahl aus der traditionell eher konservativen Regierungspartei UCR kommt, könnte bedeuten, dass auch weitere Departamentos dieser Entscheidung folgen.

Im Departamento Santa Rosa erklärte der Gemeinderat die Wahl am Dienstag hingegen zum lokalen "legislativen Interesse".

Die amtierende Weinkönigin Daniela Vanin verteidigte die Wahl, die Königinnen sollten vielmehr als "Staatsbeamtinnen" ausgezeichnet werden, "die mit ihrer Arbeit zur sozialen und kulturellen Entwicklung der Gemeinde beitragen". Bei der Wahl handle es sich nicht um einen Schönheitswettbewerb, wenn andere Qualitäten der Frauen hervorgehoben würden, so Vanin. In Guaymallén sammelt die ehemalige Weinkönigin aus dem Jahr 2007 nun Unterschriften, um gegen die Abschaffung vorzugehen.

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