Ecuador / Politik

Neoliberaler Lasso gewinnt die Stichwahl in Ecuador mit knappem Vorsprung

Ergebnisse der Präsidentschaftswahlen nach Auszählung von 98,6 Prozent der Wahlakten. Unterlegener Kandidat Arauz gratuliert Lasso

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Der Unternehmer Guillermo Lasso feiert mit Anhänger:innen Wahlsieg
Der Unternehmer Guillermo Lasso feiert mit Anhänger:innen Wahlsieg

Quito. Der rechtskonservative Politiker und Unternehmer Guillermo Lasso des Creo-Bündnisses hat sich gegen Andrés Arauz durchgesetzt. Lasso erzielt 52,5 Prozent aller Stimmen. Auf den linken Kandidaten Arauz des Unes-Bündnisses entfallen 47,5 Prozent. Bisher wurden 98,6 Prozent aller Wahlakten ausgezählt, ein Auszählen der restlichen Wahlakten kann am Sieg von Lasso also nichts mehr ändern. Das Ergebnis der Abstimmung ist überraschend, da Arauz bei fast allen Umfragen vorne lag, wenngleich diese bereits im ersten Wahlgang relativ ungenau waren (amerika21 berichtete).

Insgesamt haben 1.872 Millionen Wähler:innen ungültig gewählt. Bei der zweiten Runde der Präsidentschaftwahlen von 2017 waren es rund 740.000. Der Aufruf zum Wahlboykott durch das Indigenenbündnis, bestehend aus der Organisation Conaie und seinem politischen Arm Pachakutik, hat damit Auswirkungen gehabt.

Nachdem er im ersten Wahlgang mit deutlichem Abstand vorne lag, hatte sich Arauz gestern zunächst selbst zum Wahlsieger erklärt, dies wenige Stunden später wieder zurückgenommen. In der Nacht von Sonntag auf Montag gratulierte Arauz Lasso zu seinem Wahlsieg.

Auf Twitter bedankte sich Lasso bei seinen Wähler:innen: "Gemeinsam schaffen wir es! Heute hat Ecuador gewonnen. Danke!" Unter anderem gratulierten ihm bereits Kolumbiens Präsident Iván Duque, Uruguays Staatschef Luis Lacalle Pou, der venezolanische Politiker Juán Guaidó und der chilenische Präsident Sebastian Piñera.

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Der Arauz nahestehende und in Belgien lebende Ex-Präsident Rafael Correa twitterte: "Arauz hat gesagt, es ist kein Ende, sondern erst der Anfang. Wir haben ehrlich geglaubt, dass wir gewinnen, aber wir haben uns geirrt. Viel Glück an Lasso, sein Erfolg wird der Erfolg Ecuadors sein. Ich bitte ihn lediglich, dass er den Lawfare beendet, der Leben und Familien zerstört."

Trotz der schnellen Anerkennung des Sieges von Lasso durch die größten politischen Konkurrenten und deren Kandidaten verbleiben kritische Stimmen. Bürger:innen berichteten, dass das Meinungsforschungsinstitut Cedatos Umfragewerte zugunsten von Lasso manipuliere. Noch vor einigen Wochen warnten Mitglieder:innen des linken internationalen Bündnisses Progressive Internationale vor "reaktionären Kräften" im In- und Ausland, deren Ziel es sei, einen Sieg von Arauz zu verhindern.

Zur Wahlbeobachtung vor Ort ist die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) mit der größten Delegation, die Puebla-Gruppe sowie eine Delegation von Progressive Internationale.

Letztere kritisierte in einer Pressemitteilung, dass während der vergangenen Monate das Recht der Ecuadorianer:innen auf eine freie und faire Wahl systematisch untergraben worden sei, durch falsche Vorwürfe des Wahlbetrugs bei der ersten Wahlrunde, die Kriminalisierung von Kandidaten sowie durch den Ruf nach einer bewaffneten Intervention in den Wahlprozess.

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