Kuba wird Sitz einer internationalen Kooperation gegen Covid

Projekt vom DAAD gefördert. Partnerschaft öffnet durch die US-Blockade geschlossenen Türen. Kooperation mit China auch in Sicht

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Die Verabreichung einer dritten, verstärkenden Dosis von Soberana Plus soll die Effektivität der Impfung auf 100 Prozent erhöhen
Die Verabreichung einer dritten, verstärkenden Dosis von Soberana Plus soll die Effektivität der Impfung auf 100 Prozent erhöhen

Havanna/Berlin. Die Universität von Havanna wird einer der zwei lateinamerikanischen Standorte einer internationalen Forschungskooperation zu Covid-19 und anderen Infektionskrankheiten sein. Der Zusammenschluss trägt den Namen "German-Latin American Centre of Infection & Epidemiology Research and Training" (Glacier). Für seinen zweiten Sitz in Lateinamerika ist die Nationale Autonome Universität von Mexiko (Unam) vorgesehen.

Die deutschen Netzwerkpartner sind die Charité Berlin, das Leibniz-Institut für Pflanzenbiochemie und die Martin-Luther-Universität in Halle-Wittenberg. Zum Glacier-Netzwerk gehört ebenso das kubanische Finlay-Institut, das für die Entwicklung des Impfstoffs Soberana 02 verantwortlich ist.

Glacier ist eins von acht "Globalen Zentren", die der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) aus Mitteln des Auswärtigen Amtes in Asien, Afrika und Lateinamerika fördert. Neben Kuba und Mexiko sind aus der Region noch Costa Rica, Nicaragua, Panamá, El Salvador, Guatemala und Honduras beteiligt.

Glacier soll diejenigen Institutionen und Bereiche vernetzen, die für das öffentliche Gesundheitswesen bei der Bekämpfung von Pandemien von Bedeutung sind. Expert:innen aus verschiedenen Disziplinen wie Virologie, Wirkstoffforschung und Sozialwissenschaften arbeiten zusammen zu Themen wie Prävention und Behandlung von Krankheiten, Spitzenforschung bei Impfstoffen, Hochschulausbildung auf den entsprechenden Gebieten sowie zum Einbindung staatlicher und nicht-staatlicher Organisationen in Kampagnen und zur sozialwissenschaftlichen Perspektive auf das biosoziale Phänomen der Pandemie.

Das Projekt bedeutet für Kuba, das in der Impfstoffforschung weit entwickelt ist, eine Entlastung in Bezug auf die US-Wirtschaftsblockade. Die US-Sanktionsmaßnahmen haben die Entwicklung von Impfstoffen inmitten der Pandemie stark eingeschränkt. Unternehmen, die seit Jahrzehnten Materialien und Geräte an kubanische Partner verkauften, wurden durch die verschärften völkerrechtswidrigen Sanktionen des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump verängstigt. Sie befürchteten, dass sie ihren Handel mit Nordamerika verlieren würden. Dies berichtet der Generaldirektor des staatlichen Finlay-Institutes, Vicente Vérez Bencomo, im Interview mit der Fachzeitschrift Nature.

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Dennoch erwarten kubanische Fachleute, dass Kuba das erste lateinamerikanische Land sein könne, das seinen eigenen Impfstoff gegen Covid-19 entwickelt und massenhaft herstellt. Schon jetzt werden die Produktionskapazitäten umstrukturiert, um noch in diesem Jahr in der Lage zu sein, etwa zehn Millionen Impfdosen pro Monat zu produzieren.

Derzeit testet das Finlay-Institut die Auffrischungsimpfdose "Soberana Plus". "Dieser Impfstoff wurde entwickelt, um die ursprüngliche Immunität, die die Menschen durch eine frühere Infektion erhalten haben, erneut zu stimulieren", teilt Bencomo mit.

Unterdessen ist Kuba auch bei weiteren internationalen Forschungskooperationen erfolgreich. So beabsichtigen Wissenschaftler aus Kuba und China zukünftigen Pandemien zuvorzukommen, indem sie einen potenziellen generischen Impfstoff erforschen, der gegen verschiedene Arten von Coronaviren und mögliche neue Varianten schützt.

"Alle Vorhersagen und die wissenschaftliche Vernunft deuten darauf hin, dass wir leider neue Epidemien als logische Folge der Zunahme der Weltbevölkerung, der Tierproduktion und der Bewegung von Menschen erleiden müssen", sagt Doktor Gerardo Guillén, Direktor der biomedizinischen Forschung am Institut für Genetik und Biotechnologie (CIGB). "Wir haben aus den Ereignissen der letzten Jahre gelernt und wir wären naiv, wenn wir uns nicht auf mögliche neue Notfälle vorbereiten würden. China weiß das auch."

Die Möglichkeit für kubanische Expert:innen, in China zu forschen, ist von großer Bedeutung, da man Zugang zu fortschrittlicher Technologie, Materialien und anderen Ressourcen hat. Das ist aktuell in Kuba aufgrund der akuten Wirtschaftskrise und des verstärkten US-Embargos nicht möglich. "Die Blockade ist eine enorme Einschränkung", sagt Guillén. Kuba müsse "das Doppelte, Dreifache, Vierfache" für die Rohstoffe bezahlen, "weil wir sie nicht direkt aus den USA erhalten können, die der nächstgelegene Markt ist und wo die meisten dieser Inputs, die wir brauchen, produziert werden."

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