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Schwere Vorwürfe nach Metro-Unglück in Mexiko-Stadt

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Die Metro von Mexiko-Stadt zählte 1,655 Milliarden Fährgästen im Jahr 2019 und ist insbesondere für arme Menschen ein wichtiges Fortbewegungsmittel
Die Metro von Mexiko-Stadt zählte 1,655 Milliarden Fährgästen im Jahr 2019 und ist insbesondere für arme Menschen ein wichtiges Fortbewegungsmittel

Mexiko-Stadt. Nach dem Metro-Unglück mit mindestens 25 Toten und vielen Verletzten hat die Suche nach Ursachen und Verantwortlichkeiten begonnen. Gegen 22:22 Uhr Ortszeit war am Montag eine U-Bahn-Brücke eingestürzt, als ein Zug sie überquerte. Zwei Wagons fielen mit der Brücke in die Tiefe. Neben der Bürgermeisterin Mexiko-Stadts, Claudia Sheinbaum, sind weitere Personen in die Kritik geraten, die als Vertraute des mexikanischen Präsidenten Andrés Manuel López Obrador gelten.

"Ein Träger brach in dem Moment ein, als der Zug ihn überquerte", berichtete Bürgermeisterin Sheinbaum noch in der Nacht des Unglücks vom Ort des Geschehens aus. Zur Zeit des Unfalls war der Zug der Metro noch gut gefüllt. An der Stelle des Unglücksortes verläuft die Metro oberirdisch, auf einer Pfeilerkonstruktion zwischen zwei Hauptverkehrsstraßen. Videos von Überwachungskameras zeigten, wie Trümmerteile der einstürzenden Brücke auf die noch stark befahrene Straße fielen. Mindestens ein Auto wurde unter den Trümmern begraben. Laut Behördenangaben waren 40 Rettungswagen und mehrere Feuerwehrteams im Einsatz.

Der mexikanische Präsident hat den Angehörigen sein tiefes Mitgefühl ausgedrückt. Er versprach am Dienstagabend die lückenlose Aufklärung der Tragödie. Er stellte in Aussicht, dass "absolut nichts verborgen wird", da "das Volk von Mexiko die Wahrheit erfahren muss". Aus aller Welt haben Bürgermeister:innen und Staatschefs kondoliert.

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Während die Aufräumarbeiten und Untersuchungen noch laufen, ist massive Kritik an der aktuellen Regierung Mexiko-Stadts und an Vertrauten von López Obrador geäußert worden. Bereits nach dem Erdbeben vom 19. September 2017 berichteten Anwohner:innen über soziale Medien und Zeitungen von Schäden an dem überirdischen Streckenabschnitt, der nun eingestürzt ist. Bis zum Unglückstag hat es keine substanziellen Reparaturen des Streckenabschnitts gegeben. Am Dienstag demonstrierten Aktivist:innen an mehreren Metro-Haltestellen und malten unter anderem den Slogan "Es war kein Unfall, es war der Staat!" an Wände.

Die Linie 12 der Metro ist die neuste Strecke des U-Bahn-Netzes der Stadt und seit ihrer Eröffnung im Oktober 2012 ein Problemfall. Immer wieder mussten Baumängel ausgebessert werden, etwa kurz vor der Eröffnung. Der Zugverkehr ist mehrere Male kurzzeitig eingestellt worden, 2014 sogar für eine einmonatige Reparaturphase. 2017 sagte der damalige Direktor der Metro über die Linie 12: "Sie startete mit endemischen Problemen, die nie im Leben behoben werden." Auch Korruptionsvorwürfe sind im Zuge der Planung und des Baus der "goldene Linie" genannten U-Bahn erhoben worden. Diese könnten für Präsident López Obrador nun zur Belastung werden.

Der Bau und die Eröffnung der Linie 12 waren ein Prestigeprojekt des damaligen Bürgermeisters Marcelo Ebrard. Die neue Linie sollte den Verkehr im Südteil der Stadt, insbesondere im armen Stadtteil Iztapalapa und dem rasant wachsenden peripheren Stadtteil Tláhuac entlasten. Die Metro von Mexiko-Stadt zählt mit 1,655 Milliarden Fährgästen im Jahr 2019 zu den größten der Welt und ist insbesondere für arme Menschen ein wichtiges Fortbewegungsmittel. Marcelo Ebrard wird nun neben Sheinbaum für die Katastrophe verantwortlich gemacht. Ebenso steht Mario Delgado im Fokus der Kritik, der zur Zeit des Baus der Linie 12 Finanzsekretär der Hauptstadt war. Ebrard, Sheinbaum und Delgado sind allesamt Vertraute López Obradors, der selbst von 2000 bis 2005 Bürgermeister Mexiko-Stadts war. Ebrard ist heute Außenminister unter Obrador und Delgado Vorsitzender von Obradors Partei Morena.

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