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Venezuela: Protest bei Metro gegen Entlassung und für bessere Arbeitsbedingungen

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Die entlassene Gewerkschafterin Deillily Rodriguez spricht mit Medien bei einer Protestaktion für ihre Wiedereinstellung und für Arbeitsrechte
Die entlassene Gewerkschafterin Deillily Rodriguez spricht mit Medien bei einer Protestaktion für ihre Wiedereinstellung und für Arbeitsrechte

Caracas. Angestellte der Metro in der venezolanischen Hauptstadt Caracas fordern mit Protesten die sofortige Wiedereinstellung der Gewerkschaftsführerin Deillily Rodríguez und die Umsetzung ihrer Arbeitsrechte.

In der Entlassung von Rodríguez am 31. Oktober sehen ihre Kollegen eine Strafmaßnahme: die Gewerkschafterin habe die Zustände im Metro-System angeprangert und bessere Arbeitsbedingungen gefordert. Bei mehreren Protestaktionen verlangen sie seitdem ihre und die Wiedereinstellung aller anderen Angestellten, die gekündigt wurden, weil sie sich für Arbeitsrechte eingesetzt oder die Missstände bei der Metro öffentlich beklagt hatten. Zudem müsse der Staatsbetrieb die vereinbarte Gehaltserhöhung von 40 Prozent umsetzen und Tarifverhandlungen wieder aufnehmen. Rodríguez sagte Medien gegenüber, es gehe nicht nur um sie, sondern "alle venezolanischen Arbeiter fordern Respekt und ein Ende von Drohungen und ungerechtfertigten Entlassungen."

Die Metro Caracas war in den letzten Monaten von Verspätungen und unregelmäßigem Betrieb in Folge mangelnder Wartung und Überfüllung betroffen. Nun wurden vier neue Züge für die am meisten genutzte Linie eingesetzt, die den Osten und Westen von Caracas verbindet. Transportminister Hipolito Abreu sagte, er gehe davon aus, dass die für den optimalen Betrieb erforderlichen 75 Züge bis zum Ende des Jahres verfügbar sind. Das Unternehmen sei nun auch in der Lage, die Wartung des Systems durchzuführen und Reparaturteile mit venezolanischer Technologie zu produzieren. Dies hat laut Metro-Präsident Cesar Vega Einsparungen von fast neun Millionen US-Dollar bei den Importen gebracht.

Um die Verbesserungen zu finanzieren, erwägt die Regierung derzeit eine Preiserhöhung von 0,50 Bolívares (cirka 0,0018 US-Dollar zum Schwarzmarktpreis) pro Fahrt auf 1 or 1.50 BsS. Eine Entscheidung wurde noch nicht getroffen.

Die privaten Verkehrsbetriebe haben die Preise bereits erhöht. Bei einem Treffen ihrer Vertreter mit Vizepräsidentin Delcy Rodríguez war ein Anstieg der Ticketpreise für den Stadtverkehr von 1 auf 3 BsS ab 1. November vereinbart worden. Die Unternehmer zeigten sich jedoch unzufrieden mit dem Deal und kündigten an, bald eine Erhöhung auf 5 BsS einzufordern.

Der Transport war in letzter Zeit ein ernstes Problem für die Bewohner des Großraums Caracas. Präsident Nicolás Maduro, selbst ehemaliger Busfahrer und Gewerkschaftsführer, hatte kürzlich versprochen, dass diese Dienstleistung in Gebieten, in denen sie unzureichend ist, unter die Kontrolle der Kommunen und Kommunalen Räte gebracht werden soll. Minister Abreu erklärte vergangene Woche, es seien 600 "kritische Punkte" in der Hauptstadt und Umgebung identifiziert worden. Die Planung und Ausbildung zur Schaffung von Transportsystemen unter "Beteiligung der Volksmacht" sei im Gang. Details darüber, wie das neue Netz funktionieren wird, nannte er nicht, versicherte aber, dass die Mobilitätsprobleme im Hauptstadtgebiet bis Ende Dezember "praktisch gelöst" sein würden.

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