Peru / Politik / Menschenrechte

Präsidentschaftskandidatin Fujimori in Peru stellt Verbrechen ihres Vaters infrage

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Keiko Fujimori auf einer Wahlkampfveranstaltung
Keiko Fujimori auf einer Wahlkampfveranstaltung

Lima. Laut Keiko Fujimori hat es in Peru keine Zwangssterilisierungen gegeben. Mit einem Interview sorgte die Präsidentschaftskandidatin vergangene Woche für Empörung, als sie diese Verbrechen unter der autoritären Präsidentschaft ihres Vaters, Alberto Fujimori (1990-2000), leugnete. Gegen ihn läuft derzeit ein Gerichtsverfahren, gleichzeitig wird der Fall vor dem UN-Ausschuss für die Beseitigung der Diskriminierung der Frau verhandelt (amerika21 berichtete).

"Zu dem Prozess über die fälschlicherweise 'Zwangssterilisierungen' genannten Vorgänge: Das war ein Programm zur Familienplanung, das sind Untersuchungen, die sich seit 20 Jahren hinziehen", so die 45-Jährige gegenüber der Presse nach einer Wahlkampfveranstaltung.

Nach Informationen der peruanischen Ombudsbehörde wurden zwischen 1996 und 2001 im Rahmen des "Nationalen Programms der reproduktiven Gesundheit und Familienplanung" 272.028 Tubensterilisationen sowie 22.004 Vasektomien durchgeführt, um die demographische Entwicklung in den armen, indigenen Bevölkerungsschichten zu kontrollieren. Mindestens 2.000 davon sollen gegen den Willen der Beteiligten erfolgt sein, die Dunkelziffer wird deutlich höher geschätzt. Der peruanische Staat erkannte die Geschehnisse im Jahr 2003 vor dem Interamerikanischen Menschenrechtsgerichtshof (CIDH) an.

Opferverbände kritisieren die wiederholten verbalen Ausfälle der Diktatorentochter, die sich bereits in der Vergangenheit positiv auf die Regierung ihres Vaters bezogen hatte. "Das ist eine Leugnung der Verbrechen und Menschenrechtsverletzungen, verbunden mit Hass gegenüber den Opfern, als ob diese selbst Schuld an den Verbrechen gewesen wären", kritisierte Gisela Ortiz, deren Bruder von staatlichen Todesschwadronen in der Fujimori-Zeit ermordet worden war, die Rechtskandidatin.

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Derweil hat sich Keiko wieder mit ihrem Bruder, Kenji Fujimori, versöhnt. Zwischen den Geschwistern und ehemaligen politischen Verbündeten war es 2018 zum Bruch gekommen als Letzterer einen Deal mit dem damaligen Präsidenten Pedro Pablo Kuczynski für die Begnadigung des gemeinsamen Vaters ausgehandelt hatte.

Die Fujimori-Geschwister traten gemeinsam bei einer Präsidentschaftsdebatte am Samstag vor dem Frauengefängnis Santa Monica im Limaer Stadtteil Chorillos auf, wo Keiko Fujimori mehrere Monate wegen Korruptionsanschuldigungen in Untersuchungshaft gesessen hatte. Ihr Kontrahent, der Linkskandidat Pedro Castillo, hatte zu der Debatte eingeladen, dann jedoch aufgrund von Unstimmigkeiten über das Format wieder abgesagt. Dementsprechend blieb er der Veranstaltung fern.

Neueste Umfragen liefern widersprüchliche Informationen: Während die Demoskop:innen von Ipsos nur noch eine geringe Distanz zwischen Fujimori (42 Prozent) und dem führenden Castillo (44 Prozent) sehen, geht das sozialwissenschaftliche Forschungsinstitut IEP weiterhin von großen Abständen zugunsten von Castillo aus (30:37).

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