Brasilien: Aktivist der Landlosenbewegung MST angeschossen

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Versammlung von Besetzer:innen. Vor zwei Wochen begannen die Angriffe
Versammlung von Besetzer:innen. Vor zwei Wochen begannen die Angriffe

Recife. Bewaffnete Männer haben Mitglieder der Landlosenbewegung in Brasilien (Movimento dos Trabalhadores Rurais, MST) angegriffen, dabei wurden zwei Menschen verletzt.

Die vier Bewaffneten drangen am vergangenen Samstag gegen 18 Uhr in das besetzte Grundstück "Nelson Mandela" ein, traten einen der Aktivisten nieder und versuchten, auf ihn zu schießen. Dabei wurde ein anderer Aktivist durch einen Streifschuss am Kopf verletzt. Er liegt im Krankenhaus, schwebt aber nicht mehr in Lebensgefahr. Die Verletzten wollen aus Gründen der Sicherheit nicht namentlich genannt werden. MST-Aktivist José Severino wies darauf hin, dass "der Angriff ein bewusster Teil der Attacken" gegen die Besetzung gewesen sei.

Die Polizei, welche vor Ort war, hat nach Angaben eines der Verletzten die Hilfe verweigert. Er berichtete, dass die Angreifer ihn ins Gesicht traten und auf ihn schossen. "Allerdings trafen sie meinen Freund, der viel Blut verlor und nun im Krankenhaus liegt. Die Polizisten waren innerhalb von nicht mal einer Minute vor Ort, sagten aber, dass sie nichts unternehmen würden und dass hier jeder für sich sei. Das ist das zweite Mal, letzte Woche wurde ich von Leuten in einem Auto verfolgt."

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Auf eine Anfrage des Nachrichtenmagazins Brasil de Fato zu den Vorwürfen äußerte sich die Polizei bisher nicht.

Während des Angriffs waren ungefähr 300 Familien anwesend. Ein Großteil sind Betroffene der Überschwemmungen im Mai in der Stadt Jaboatão dos Guararapes, einer der Nachbarstädte Recifes. Paulo Mansan, Mitglied der MST, erklärte, dass die sozialen Ungleichheiten aktuell immer größer werden würden und es daher dringend Besetzungen brauche. Aktuell gibt es 56 städtische Besetzungen der Landlosenbewegung in der Metropolregion um Recife.

Die Aktionen der MST stoßen in der Bevölkerung immer wieder auf große Sympathien. Allein in Zeiten der Pandemie hat die Bewegung über fünf Millionen Tonnen Lebensmittel an Bedürftige verteilt. Für Rapper MC Abel war das der Anlass für das Musikvideo zu seinem neuen Song "Pelos Outros" ("Für die anderen"). Darin spricht er über Solidarität, Empathie und Widerstand in der aktuellen Zeit, in der sich in Brasilien die Situation für viele Menschen stark verschlechtert. Im Video zu sehen sind verschiedene Solidaritätsaktionen der MST Paraná.

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