Brasilien / Politik

Brasilien: AfD-Abgeordnete von Storch besucht Bolsonaro

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Die Abgeordnete Bia Kicis (PSL) aus dem Bolsonaro-Lager und die AfD-Politikerin Beatrix von Storch (rechts)
Die Abgeordnete Bia Kicis (PSL) aus dem Bolsonaro-Lager und die AfD-Politikerin Beatrix von Storch (rechts)

Brasília/Berlin. Die stellvertretende AfD-Vorsitzende Beatrix von Storch hat sich in der brasilianischen Hauptstadt Brasília mit dem brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro (parteilos) getroffen. Die beiden ultrarechten Politiker:innen zelebrierten beim Besuch der deutschen Bundestagsabgeordneten demonstrativ den Schulterschluss.

Die Bundestagsabgeordnete ließ am Montag ein Foto verbreiten, das sie während eines Treffens am vergangenen Mittwoch mit dem Staatschef zeigt. Von Storch schrieb dazu, ihre Partei wolle sich "stärker vernetzen und auf internationaler Ebene für unsere christlich-konservativen Werte einstehen".

Zudem traf sich von Storch mit Mitgliedern der rechts-konservativen Sozial-Liberalen Partei (Partido Social Liberal, PSL), unter anderem mit Bolsonaros drittem Sohn, dem Abgeordneten Carlos Bolsonaro (PSL). Dieser betonte nach dem Treffen die gemeinsamen Werte, die er und seine Berliner Kollegin teilten. "Uns einen die Verteidigung der Familie, der Schutz der nationalen Grenzen und Kultur", so Bolsonaros Sohn. Wie die AfD propagieren auch die rechte PSL und die Regierung Bolsonaro einen völkischen Nationalismus und die Hetero-Kleinfamilie als Leitbild.

Zuvor traf sich von Storch mit der PSL-Abgeordneten Bia Kicis. Die Politikerin schrieb nach ihrer Begegnung mit Storch: "Die Konservativen der Welt vereinen sich, um christliche Werte und die Familie zu verteidigen."

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Die beiden PSL-Mitglieder werden nun in Brasilien scharf für ihre Treffen mit der AfD-Politikerin kritisiert. Die Vorsitzende der linken Arbeiterpartei, Gleisi Hoffmann, twitterte: "Sie haben alles gemein: Fremdenfeindlichkeit, Hassrede und antidemokratische Haltung." Die Bewegung "Juden für die Demokratie" (Judeus pela Democracia) kommentierte: "Unter dem Mantel des Konservatismus sorgt sich der Bolsonarismus nicht mehr darum, seine Sympathien zu zeigen".

Kicis versuchte die Vorwürfe des Rassismus‘ und der Fremdenfeindlichkeit gegen von Storch, gegen die in Deutschland wegen Volksverhetzung ermittelt wurde, zu relativieren: "Soweit ich das erkenne, ist an ihrer Haltung als Konservative nichts auszusetzen".

Anders sieht das das Holocaust-Museum in der südbrasilianischen Stadt Curitiba. Von Storch sei fremdenfeindlich eingestellt und habe sich nicht ausreichend von ihrem Großvater Lutz Graf Schwerin von Krosigk distanziert. Dieser war Finanzminister unter Adolf Hitler. Die Annäherung von brasilianischer Seite an diese Politikerin belaste "den Aufbau einer kollektiven Erinnerung an den Holocaust in Brasilien und unsere eigene Demokratie", so das Museum.

Der brasilianische Analyst Jamil Chade sieht in dem Besuch den Versuch, die Allianzen zwischen rechten und rechtskonservativen Parteien und Regierungen auf der Welt auszubauen. Dabei gewinne Brasilien nach dem Abgang von Donald Trump immer mehr Bedeutung unter jenen Ländern, die sich dem Kampf gegen etwas, das sie Kommunismus nennen, verschworen haben und reaktionäre Ziele verfolgten. Hier scheine es um eine konservative Weltrevolution zu gehen.

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