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Brasilien: Wahlkampagne für Jair Bolsonaro wiederholt Slogan von Hitler

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Präsident Jair Bolsonaro will mit Nazi-Slogans 2022 wiedergewählt werden.
Präsident Jair Bolsonaro will mit Nazi-Slogans 2022 wiedergewählt werden.

Brasília. Anhänger:innen des brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro haben eine Kampagne gestartet, in der sie Adolf Hitler zitieren. Derzeit werben rechte Gruppen mit dem Spruch "Eine Nation, Ein Volk, Ein Führer" in den sozialen Medien für die Wiederwahl Bolsonaros bei der Präsidentschaftswahl 2022. Der Aufruf weist eine hohe Ähnlichkeit mit dem von den deutschen Faschisten verwendeten Slogan "Ein Volk, ein Reich, ein Führer" auf, mit dem diese für Hitler warben.

"Zufall (oder nicht)" kommentierte die Gruppe "Juden für die Demokratie" die Ähnlichkeit beider Slogans auf Twitter und fragte lakonisch, ob auch die neue Kampagne wieder "frei im Nazismus inspiriert?" sei

Es ist nicht das erste Mal, dass Anhänger:innen oder Mitglieder der Regierung Bolsonaro Nazi-Referenzen verwenden. Das Museum des Holocausts in Curitiba kommentierte, es vergehe keine Woche, in der man nicht eine antisemitischen Rede, das Zeigen eines Nazi-Symbols oder einen rassistischen Akt eingebildeter weißer Überlegenheit zur Anzeige bringen müsste.

In mindestens acht Fällen haben Personen aus dem Regierungsumfeld bewusst oder unbewusst auf Symbole oder Formulierungen der Nazis gesetzt. Im Januar 2020 hielt der damalige Kulturminister Roberto Alvim eine Online-Rede, bei der er Gestus und Gehalt der Reden von Joseph Goebbels, Propagandaminister von Nazi-Deutschland, imitierte. Gegen die Kritik verteidigte sich der Minister anschließend, dass es sich um einen "rhetorischen Zufall" zwischen den Reden gehandelt habe. Bolsonaro musste ihn entlassen.

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Im Mai 2020 wandte sich das Präsidialamt in einem Video mit der Botschaft "Arbeit, Einheit und Wahrheit werden Brasilien befreien" an die Bevölkerung, um die von der Regierung beschlossenen Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie vorzustellen. Der Verband der Israelitischen Gemeinde Brasiliens (Conib), die zentrale Organisation der brasilianischen jüdischen Gemeinde. musste die Regierung daran erinnern, dass der Satz "Arbeit macht frei" am Eingang des ehemaligen Vernichtungslagers Auschwitz steht.

Schließlich wandten sich Ende Mai 200 namhafte jüdische Brasilianer:innen mit einem Brief an die Öffentlichkeit. "Man muss die Dinge beim Namen nennen. Die brasilianische Regierung bedient sich Methoden und Symbole faschistischer Regime". Sie arbeite mit Verschwörungstheorien, baue Feindbilder auf und verunglimpfe die Demokratie, zeigten sich die Unterzeichner:innen alarmiert.

Die Nähe des parteilosen Bolsonaro zur Ultrarechten im Land hat zuletzt nicht dazu geführt, seine Beliebtheit zu steigern. Wie eine Umfrage des Instituts Ipec vom Donnerstag zeigt, würde der amtierende Präsident derzeit nur 23 Prozent der Stimmen bekommen. Hingegen würde sein linker Gegenkandidat, Ex-Präsident Luiz Inácio Lula da Silva (PT), bereits im ersten Wahlgang 49 Prozent der Stimmen auf sich vereinen und wäre damit wohl direkt gewählt.

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