Kolumbien: Verhandlungen zwischen Regierung und Indigenen im Cauca geplatzt

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Vorläufig beendet: Die Vertreter:innen der indigenen Gemeinden haben sich aus der Kommission mit der Regierung zurückgezogen
Vorläufig beendet: Die Vertreter:innen der indigenen Gemeinden haben sich aus der Kommission mit der Regierung zurückgezogen

Popayán. Repräsentant:innen des Regionalrats der Indigenen des Cauca (Cric) kritisieren die fehlende Bereitschaft der Regierung, regionale Entwicklungspläne umzusetzen und die Gemeinden wie vereinbart in deren Ausgestaltung einzubeziehen. Indigene Autoritäten und der Cric haben sich daher aus der gemeinsamen Kommission mit der Regierung zurückgezogen und die Gespräche für beendet erklärt.

Die gemischte Kommission aus Vertreter:innen beider Seiten sollte die Entwicklungspläne im Sinne des Dekrets 1811 vom 7. November 2017 abstimmen. Diese Pläne sollen die integrale Selbstverwaltung indigener Gemeinden gewährleisten und entsprachen damit einem Gebot der kolumbianischen Verfassung.

Seit der Einberufung der Kommission verzögerte sich ihre Arbeit immer wieder, da Regierungsvertreter:innen nicht zu den Gesprächen erschienen oder sich nicht an Vereinbarungen aus dem Dekret hielten.

Nun stellten die indigenen Autoritäten von insgesamt zwölf indigenen Gemeinden und die Kommissionsteilnehmer:innen des Cric gemeinsam ihre Mitarbeit an der Kommission ein, da sie keine Fortschritte bei der Umsetzung einer Landverteilung erwarten.

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"Wir verlassen den Verhandlungstisch, weil eines der wichtigsten Systeme die Territoriale Wirtschafts- und Umweltautorität ist und wenn die Regierung diese Politik für die indigenen Gemeinden nicht präsent hat, ist es besser, nicht mehr zu diskutieren. Die Regierung verzögert und weicht der eigentlichen Antwort aus, die wir hinsichtlich der Umsetzung der Politik für unsere Gemeinden hören möchten", erklärt die indigene Kommissionsabgeordnete Nini Jahoana Daza.

Es gehe um den gesicherten Landzugang innerhalb ihrer Gebiete (resguardos) und um Garantien, damit die indigenen Gemeinschaften ihre Lebensentwürfe entwickeln, ihre Bräuche und ihre Kultur beibehalten und ihre eigene Wirtschaft und Regierungsform entwickeln, also ihre Autonomie ausüben können. Das Ausbleiben einer Landumverteilung bei gleichzeitig andauernder gewaltsamer Vertreibung und Verfolgung durch staatliche Sicherheitskräfte und bewaffnete Gruppen bedrohe die Verfassungs- und Menschenrechte indigener Gemeinden im Cauca.

Proteste gegen diesen Umstand brachten 2017 das Dekret 1811 und die Kommission hervor, von der sich die indigenen Kommissionsabgeordneten und repräsentativen Autoritäten jetzt geschlossen zurückziehen. Nun sollen erneut große Mobilisierungen gegen die Regierung vorbereitet werden.

Die Lage im Cauca ist alarmierend: Nach Antioquía ist der Cauca mit 53 Morden das Departamento mit den meisten politischen Morden. Durch die Präsenz paramilitärischen Gruppen, verschiedener Farc-Dissidentengruppen und staatlicher Sicherheitskräfte geraten indigene Gemeinden immer wieder zwischen die Fronten oder werden zum Ziel von Gewaltverbrechen.

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