Brasilien / Politik

Evangelikale in Brasilien: Bolsonaros Vorsprung gegenüber Lula schmilzt

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Evangelikaler "Salomon-Tempel" in São Paulo. Die evangelikale Wählerschaft ist eine wesentliche Stütze Bolsonaros gewesen
Evangelikaler "Salomon-Tempel" in São Paulo. Die evangelikale Wählerschaft ist eine wesentliche Stütze Bolsonaros gewesen

Brasília. Brasiliens ultrarechter Präsident Jair Bolsonaro führt neuesten Umfragen zufolge bei der evangelikalen Wählerschaft für die erste Runde der Präsidentschaftswahlen, aber sein Vorsprung bei diesen Wähler:innen schwindet.

Medien berichten unter Berufung auf eine CNT-Umfrage, die am Montag veröffentlicht wurde, dass Bolsonaro 40 Prozent der Stimmen im evangelikalen Wähler:innen-Segment und Ex-Präsident Luiz Inácio Lula da Silva von der Arbeiterpartei PT 30 Prozent erzielen würde.

Setzt man diese Zahlen ins Verhältnis zu den Stimmabgaben der Stichrunde der Präsidentschaftswahl von 2018, bei der Bolsonaro mit 55,13 Prozent der gesamt abgegebenen Stimmen (57,8 Millionen) rund zehn Millionen Stimmen mehr als der damalige Kandidat der Arbeiterpartei PT (47,0 Millionen oder 44,87 Prozent) erzielte und vergleicht diese Zahlen mit einer damaligen Datafolha-Umfrage, so fällt der prozentuale Rückgang der evangelikalen Unterstützung für Bolsonaro auf.

Während es laut der Datafolha-Umfrage zwischen Bolsonaro und dem PT-Kandidaten Fernando Haddad bei den katholischen Wähler:innen nur einen Unterschied von etwas mehr als einer Million Stimmen kam, so lag der Unterschied damals bei den evangelikalen Wähler:innen bei 12 Millionen Stimmen. Umgerechnet ergab dies also damals einen Anteil für Bolsonaro von 69 Prozent der evangelikalen Stimmen gegenüber 31 Prozent für Haddad. Nun läge dieser Unterschied bei 40 zu 30 Prozent.

Der neuen Umfrage zufolge zeigt sich die Verschiebung der Wahlpräferenzen in der Bevölkerung noch deutlicher: Bei den Katholiken bevorzugen demnach 47 Prozent den PT-Kandidaten und 25 Prozent Bolsonaro. Lula führt auch in anderen Wählergruppen und kommt in der alle Wähler:innengruppen und -regionen zusammenfassenden CNT-Umfrage auf 42 Prozent, Bolsonaro auf 28 Prozent.

Betrachtet man die Regionen des Landes, so zeigt die CNT-Umfrage, dass sich der Unterschied zwischen Lula und Bolsonaro im Südosten verringert, wo die beiden technisch gesehen gleichauf liegen. Unter Berücksichtigung der Fehlermarge von zwei Prozentpunkten kommt Lula dort auf 34 Prozent und Bolsonaro auf 32 Prozent. Im Dezember betrug der Unterschied zwischen den beiden in der Region noch neun Punkte, jetzt sind es nur noch zwei. Im Nordosten hingegen hat Lula seinen Vorsprung ausgebaut und liegt 45 Punkte vor Bolsonaro. Lula vereint dort demnach 61 Prozent der Stimmen auf sich, während Bolsonaro auf nur 16 Prozent kommt. Im Dezember lag der Unterschied zwischen den beiden im Nordosten noch bei 38 Punkten, so CNT.

Lula führt auch im Süden (40 zu 32 Prozent) und befindet sich in der Summe der Wahlumfragen des Mittleren Westens und des Nordens (35 zu 34 ) nahezu in einer Patt-Situation mit Bolsonaro.

Die Präsidentschaftswahlen sind indes für Oktober dieses Jahres vorgesehen. Offiziell hat der Wahlkampf, von dem nicht wenige befürchten, dass er schmutzig werden könnte, noch gar nicht begonnen.

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