Uruguay / Politik

Proteste der Rentner und Pensionsempfänger in Uruguay

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Mitglieder der ONAJPU in Montevideo
Mitglieder der ONAJPU in Montevideo

Montevideo. Seit einigen Woche rumort es in den Reihen der Rentner:innen Uruguays. Die kontinuierlichen Kürzungen ihrer Einkünfte und die drastisch steigenden Lebenskosten, vor allem der Lebensmittel, gefährden ihre Grundversorgung. Die durchaus kämpferische Rentnerorganisation ONAJPU ging auf die Straße. Mit Transparenten und Flugblättern informierten ihre Mitglieder die Bevölkerung über ihre Lage.

Die Rentner:innen Uruguays blicken auf eine lange Geschichte an erkämpften Rechten zurück. Viele kommen aus der Widerstandsbewegung gegen die Diktatur der 70er und 80er Jahre. Was sie vor allem in den 15 Jahren der sozial orientierten Regierung der Frente Amplio erreichten, will ihnen die rechtslastige Mehrparteienkoalition unter Luis Lacalle Pou wieder nehmen.

Die Volksabstimmung von 1989 hatte erreicht, dass Renten nach dem Durchschnittsgehalt (IMS) berechnet werden und nicht vom politischen Willen der jeweiligen Regierung abhängen. So konnten sich diese Einkünfte zwar langsam, aber dennoch kontinuierlich an die reale Inflation und an die von den Gewerkschaften erkämpften Löhne anlehnen.

Der Generalsekretär der ONAJPU, Daniel Baldassari, präzisierte gegenüber der Presse, dass die Inflationsanpassungen der Gehälter und Renten für die Jahre 2020 und 2021 eine erhebliche Verringerung ihrer Kaufkraft bedeuteten: "Im Jahr 2020 betrug die Inflation 9,41 Prozent, während die Angleichung nur 7,58 Prozent ausmachte. Im Jahr 2021 erreichte die Inflation 7,96 Prozent und der durchschnittliche Gehaltsindex lag bei 6,16 Prozent."

Der Kaufkraftverlust ist täglich spürbar. Die am stärksten Betroffenen, etwa 140.000 Personen (von Uruguays insgesamt drei Millionen Einwohner), erhalten nur eine Mindestrente. Sie beträgt nach einer Aufstockung im Juli vergangenen Jahres um 1,6 Prozent nun 15.097 Pesos, umgerechnet rund 315 Euro. Die Lebenshaltungskosten sind mit denen in Deutschland vergleichbar.

Bereits am 17. Februar überreichte eine Delegation der ONAJPU der Regierung einen Brief mit ihren Forderungen, darunter auch Themen wie der öffentliche Wohnungsbau oder die ambulante Pflege. Sie verlangten zudem ein Gespräch mit dem Präsidenten. Bislang erhielten sie noch keine Antwort darauf.

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