Brasilien / Politik

Brasilien: Bolsonaro mobilisiert Evangelikale für den Wahlkampf

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Präsident Bolsonaro wünscht sich für Brasilien, die "christlichste Nation der Welt" zu bleiben
Präsident Bolsonaro wünscht sich für Brasilien, die "christlichste Nation der Welt" zu bleiben

Curitiba. Präsident Jair Bolsonaro hat vergangenen Samstag am "Marcha para Jesus" (Marsch für Jesus) in der südbrasilianischen Stadt Curitiba teilgenommen. Bei der religiösen Feier sprach er zu den Gläubigen, die zu Tausenden erschienen waren. Er erklärte, dass nicht die Wahl, sondern nur Gott allein ihn seines Amtes als Präsident des Landes entheben könne.

Gleichzeitig bekannte sich Bolsonaro jedoch als Demokrat, welcher das Land und die brasilianische Familie schützen will. "Wir haben einen Präsidenten, eine Regierung, die an Gott glaubt, welche die Militärs respektiert und welche die brasilianische Familie verteidigt", verkündete der Präsident in seiner Rede. Zudem forderte er, Brasilien solle die "christlichste Nation der Welt" bleiben.

Weiterhin kritisierte Bolsonaro in seiner Rede den Obersten Gerichtshof (STF), ohne jedoch explizit Namen zu nennen. "Wir alle würden unser Leben für die Freiheit geben. Das ist das höchste Gut für ein Land, dass sich demokratisch nennt", mahnte er und erklärte, dass er dafür verantwortlich sei, dass jede Person, die gegen die Verfassung verstoße, wieder in die richtige Richtung gelenkt werden müsse.

Der Oberste Gerichtshof ermittelt derzeit gegen den amtierenden Präsidenten des Landes wegen der Verbreitung von Fake News. Bolsonaro hatte vergangene Woche Beschwerde gegen die Institution wegen Autoritätsmissbrauch eingelegt. Diese wurde jedoch binnen 24 Stunden abgelehnt. 2021 hatte Bolsonaro zudem die Amtsenthebung des Juristen Alexandre de Moraes gefordert, der am STF tätig ist.

Die Teilnahme am "Marcha para Jesus" ist Teil seiner offiziellen Agenda. Auch in Cuiabá und Manaus wird Bolsonaro an anderen evangelikalen Events teilnehmen. Aktuellen Umfragen zufolge liegt er bei der evangelikalen Bevölkerung vorne. 47 Prozent der Befragten gaben an, bei den anstehenden Präsidentschaftswahlen für ihn zu stimmen, während nur 30 Prozent für seinen Gegner Luiz Ignacio Lula da Silva stimmen wollen.

Bei der katholischen Bevölkerung des Landes sieht dies anders aus. Dort gaben 53 Prozent der Bevölkerung an, für Lula zu stimmen und nur 27 Prozent wollten ihre Stimme für Bolsonaro abgeben.

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