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Chile: Nazifiguren im Angebot

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Onlineportal mit Angebot des SS-Sturmbandführers in Miniatur
Screenshot der Homepage, auf welcher der SS-Sturmbandführer in Miniatur angeboten wurde

Santiago. Die größte chilenische Zeitung, El Mercurio, hat mit dem Verkauf von Miniatur-SS-Sturmbandführern für Schlagzeilen gesorgt. Auf dem Internetportal des Leseclubs von El Mercurio konnten die Figuren für umgerechnet drei Euro erworben werden.

Gerardo Gorodischer, Präsident der Jüdischen Gemeinde in Chile, kommentierte gegenüber der Onlinezeitung Interferencia, "es ist bedauerlich, dass immer noch Mörder und Kriminelle wie die SS glorifiziert werden". Auch die deutsche Botschaft in Santiago kritisierte in einer Pressemitteilung den Verkauf. Dies stelle eine "Banalisierung der Nazidiktatur, ihrer Komplizen und Symbole" dar.

Die Zeitung El Mercurio reagierte nicht auf die Vorwürfe. Am 19. Juli wurde das Angebot kommentarlos von der Webseite entfernt.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Zeitung beschuldigt wird den Nationalsozialismus zu beschönigen. Im Oktober 2021 veröffentlichte El Mercurio ein Portrait von Hermann Göring, einer der Führungsfiguren des deutschen Faschismus. Mit kaum einer Erwähnung der Grausamkeiten seines Handelns, stellte die Zeitung Görings Leben und Wirken in einer verherrlichenden Weise dar. Schon damals wurde El Mercurio scharf kritisiert. Unter anderem auch von der deutschen Botschaft und führenden Politiker:innen.

Interferencia berichtet zudem, dass bereits im Jahr 2019 eine Kollektion von "Soldaten aus dem 2. Weltkrieg" im Onlineportal des Leseclubs von El Mercurio angeboten wurde. Die Werbung seinerzeit zeigte in erster Reihe deutsche Soldaten. Das Portal weist in einem Artikel darauf hin, dass El Mercurio damals darauf verzichtete Soldaten der Roten Armee darzustellen, wodurch die politische Auswahl der verherrlichenden Kriegsdarstellung klar erkennbar gewesen sei.

Gorodischer von der jüdischen Gemeinde glaubt nach dem wiederholten Vorfall nicht mehr an Zufall und fordert Konsequenzen. "Ein oder zwei Mal kann es als ein Fehler vorkommen. Aber nun sollte man Maßnahmen ergreifen".

Ob Maßnahmen ergriffen werden ist derweil unklar. Die rechtskonservative Zeitung Mercurio ist im Besitz der Unternehmerfamilie Edwards und war mitbeteiligt am Putsch gegen die demokratische Regierung unter Salvador Allende im Jahr 1973. Während der Militärdiktatur war sie das Sprachrohr des Regimes. Agustín Edwars selbst ist 2015 wegen seiner Verwicklung in den Militärputsch aus dem chilenischen Journalistenverband ausgeschlossen worden (amerika21 berichtete).

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