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Dokumente zu Nazi-Vergangenheit in Chile veröffentlicht

In Chile wurden dem Nationalarchiv nach ihrer Auswertung Dokumente zu Nazi-Aktivitäten zur Zeit des Dritten Reichs übergeben

In Chile wurden dem Nationalarchiv nach ihrer Auswertung Dokumente zu Nazi-Aktivitäten zur Zeit des Dritten Reichs übergeben

Santiago. In Chile hat die Kriminalpolizei (Policía de Investigaciones, PDI) dem chilenischen Nationalarchiv am 5. Januar 2018 offiziell Dokumente über die ehemals geheime Abteilung Departamento 50 überreicht. Diese wurde 1941 gegründet, um die Aktivitäten Hitlerdeutschlands in Chile zu überwachen und eventuelle geheime Operationen aufzudecken. Die Dokumente waren bislang für die Öffentlichkeit gesperrt und werden seit Mitte 2017 veröffentlicht und digitalisiert.

Dank des Departamento 50 konnte schon im Jahr 1942 eine geheime Spionageanlage in Quilpué, nahe der Hafenstadt Valparaíso, aufgedeckt werden. Diese übermittelte an Deutschland Informationen über die Bewegungen von militärischen und zivilen Schiffen am Hafen von Valparaíso. Außerdem wurden verschiedene Aktivitäten Hitlerdeutschlands in Chile und Nachbarstaaten entdeckt, die vor allem an deutsche Kolonien gerichtet waren und zum Ziel hatten, das faschistische Gedankengut zu verbreiten, nationalsozialistische Organisationen zu gründen und im Falle eines Kriegseintritts Chiles Attentate und Kriegsakte innerhalb des Landes zu begehen. Die Dokumente bestätigen, dass große Teile der deutschen Auslandsgemeinden Hitlerdeutschland positiv gestimmt waren und den Nazis ihre Infrastruktur – von Schulen über Firmen bis zu Privathäusern – zur Verfügung stellten.

Die digitale Veröffentlichung wurde laut dem Nationalarchiv von der Stiftung zur Instandhaltung des Gedenkens an den chilenischen Judentums (Fundación de Preservación de la Memoria del Judaísmo Chileno) finanziert und gibt Anlass, das Verhältnis des chilenischen Staates zu Hitlerdeutschland, sowie das Verhalten der deutschen Kolonien in Chile, zu überdenken.

So ist nun bekannt geworden, dass eine anfängliche nazistische Bewegung mit brutaler Gewalt nach der Besetzung mehrerer öffentlicher Gebäude niedergeschlagen wurde. Am 5. November 1938 besetzten Mitglieder der nationalsozialistischen Bewegung Chiles öffentliche Gebäude in Santiago, um dadurch einen Militärputsch zu bewirken. Als Reaktion auf die Besetzung wurden alle Beteiligten erschossen.

Andererseits pflegte Chile lange Zeit gute Beziehungen zu Deutschland und dem deutschem Reich, welche sich unter Hitler vor allem auf wirtschaftlicher Ebene vertieften: Erst im Jahr 1945 erklärte Chile den Achsenmächten den Krieg. Außerdem war Chile ein beliebtes Zufluchtsland für aus Deutschland fliehende Nazis, die bei deutschen Kolonien im Süden des Landes Unterkunft fanden.

Vielmehr als die großen Ereignisse und Fahndungserfolge der Abteilung 50, welche ohnehin schon bekannt waren, geben die Dokumente einen tieferen Einblick in die Machenschaften des deutschen Staates und der deutschen Kolonien in Chile. Dies könnte ein erster Schritt dazu sein, das Verhalten der damaligen Auslandsgemeinden zu überdenken.

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