El Salvador: Kraftwerksbau bedroht Lebensgrundlage indigener Gemeinschaften

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In der Gemeinde Nahuizalco besteht eine lange Tradition für das Weben von Matten bei den indigenen Frauen
In der Gemeinde Nahuizalco besteht eine lange Tradition für das Weben von Matten bei den indigenen Frauen

San Salvador. Indigene und Umweltgruppen haben das salvadorianische Parlament vor den Gefahren des Baus eines weiteren Wasserkraftwerks am Fluss Sensunapán im Bezirk Sonsonate gewarnt. Es würde Schäden an der Umwelt, der Landwirtschaft, dem Wasser und heiligen Stätten der Indigenen verursachen.

Das Unternehmen Sensunapán S.A. plant am 16 Kilometer langen Fluss Sensunapán ein achtes Wasserkraftwerk. Sieben sind bereits in Betrieb, fünf davon flussaufwärts. Enrique Carías, Mitglied von Mesuto, einem Zusammenschluss für die nachhaltige Entwicklung von Gebieten im Bezirk Sonsante, bezeichnete das geplante Kraftwerk als "Todesstoß" für den Fluss, der ihn komplett zerstören würde.

Das geplante Projekt hat verschiedene Auswirkungen auf die Region. Die Bewohner leben von den dort wachsenden Pflanzen. Beispielsweise ist die Tule (Schoenoplectus acutus) eine kleine Pflanze, die in den Sümpfen geerntet und deren Fasern unter anderem für Matten, Hüte, Taschen, Körben und Kissen verwendet wird. Tausende Menschen sind von diesem Handwerk abhängig, sie haben Land gepachtet, auf denen sie Tule anbauen und ihr Einkommen ist auf die Nutzung der Pflanzenfasern ausgelegt.

In der Region gibt es eine starke Bewegung gegen das Energieprojekt, insbesondere in der Gemeinde Nahuizalco. Hier besteht eine lange Tradition für das Weben von Matten bei den indigenen Frauen, die das Handwerk von ihren Müttern und Großmüttern gelernt haben.

Außerdem ist die Kultur der Nahua Pipil unmittelbar betroffen. Zahlreiche Erinnerungsorte und heilige Stätten der indigenen Gemeinschaft liegen im Einzugsgebiet des Flusses. Die sogenannten "parajes" sind "natürliche Orte", zu denen Quellen, Höhlen, Felsen, Tümpel oder auch Schluchten gehören, die Orte für spirituelle Zeremonien sind. Viele der "parajes" wären durch das neue Wasserkraftwerk betroffen und würden teilweise verschwinden.

Der Konflikt in der Region hat eine lange Geschichte. Die 70 Kilometer von San Salvador entfernte Gemeine Nahuizalco hat prähispanische Wurzeln, die bis zur Ankunft von Pedro de Alvarado im Jahr 1524 zurückreichen. Zu diesem Zeitpunkt begann die Enteignung der Nahua Pipil und auch ihr Widerstand.

Die Umweltkammer hatte im vergangenen Jahr Vorsichtsmaßnahmen angeordnet, aber laut den zivilgesellschaftlichen Organisationen unternehme das Ministerium für Umwelt und natürliche Ressourcen und das zuständige Bürgermeisteramt "wenig oder gar nichts", um die gerichtlichen Anordnungen zu erfüllen. Die Bewohner der Region beklagen immer wieder, dass sich keine Behörde um ihre Anliegen kümmere, ihr ökologisches und kulturelles Erbe zu bewahren.

Die Umwelt- und indigenen Gruppen fordern daher weiterhin von der Regierung die Anerkennung und Erhaltung des indigenen Erbes im Bezirk Sonsonate sowie den Schutz des Sensunapán-Flusses.

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