Präsident von Kolumbien: "Die Lösung für die Klimakrise ist eine Welt ohne Öl und Kohle"

Gustavo Petro: Überwindung der Klimakrise braucht die Mobilisierung der Menschheit, nicht die Zustimmung von interessengeleiteten Technokraten

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Maduro (links), Petro und Santokhi (rechts) wollen die Zusammenarbeit der Amazonas-Länder erreichen. Die USA müssten sich ebenfalls an Schutzmaßnahmen beteiligen
Maduro (links), Petro und Santokhi (rechts) wollen die Zusammenarbeit der Amazonas-Länder erreichen. Die USA müssten sich ebenfalls an Schutzmaßnahmen beteiligen

Sharm El-Sheikh. Kolumbiens Präsident Gustavo Petro hat bei der Weltklimakonferenz in Ägypten eine Welt ohne fossile Energieträger gefordert. Die bisherigen COP-Veranstaltungen über den Klimawandel hätten keine Antworten gegeben und die Zeit sei abgelaufen.

In seiner kurzen Rede machte der Präsident mit einem Zehnpunkte-Katalog Vorschläge zur Überwindung der Klimakrise.

Um mit dem Konsum von Öl und Kohle aufzuhören, "braucht es eine tiefgreifende Transformation der Wirtschaft, eine Abnahme der gewaltigen Interessen in dieser Wirtschaft, einen Wandel der Weltwirtschaft, die die politische Führungsrolle der Menschheit nicht überholen darf. Es ist die Zeit der Menschheit und nicht der Märkte", sagte Petro.

Der Staatschef bekräftigte, dass die Klimakrise ein Produkt der Märkte und der Kapitalakkumulation sei und dass sie nur überwunden werden könne, "wenn wir aufhören, Kohlenwasserstoffe zu verbrauchen". Es sei an der Zeit, "die Kohlenwasserstoffwirtschaft zu entwerten und die Zweige der dekarbonisierten Wirtschaft aufzuwerten. Die Lösung ist eine Welt ohne Öl und Kohle", sagte er. Die Banken der Welt müssten die Finanzierung der Öl- und Kohlewirtschaft einstellen.

Die Menschheit werde ausgelöscht, wenn die Weltpolitik die Klimakrise nicht überwinde. Deshalb sei es wichtig, dass die Menschen "mit oder ohne Erlaubnis der Regierungen Aktionen ergreifen".

Es sei "die weltweite Politik, das heißt, die Mobilisierung der Menschheit, die den Kurs korrigieren wird und nicht die Zustimmung von Technokraten, von denen viele von den Interessen der Kohle-, Öl- und Gasunternehmen beeinflusst werden".

Der Markt sei nicht der wichtigste Mechanimus zur Überwindung der Klimakrise, warnte Petro. Nur eine öffentliche, globale und multilaterale Planung werde eine Dekarbonisierung der Weltwirtschaft ermöglichen. Die Vereinten Nationen sollten der Rahmen für eine solche Planung sein.

Der kolumbianische Präsident insistierte, dass die "Säulen des Klimas" geschützt werden müssten und eine wichtige Säule sei der Amazonaswald: "Kolumbien wird in den kommenden zwei Jahrzehnten jedes Jahr 200 Millionen US-Dollar für den Schutz des Amazonas in unserem Gebiet einsetzen. Wir erwarten den globalen Beitrag".

Petro kritisierte auch die Welthandelsorganisation und den Internationalen Währungsfonds (IWF). Beide müssten ihre Politiken anpassen, da diese nicht kompatibel seien mit einer Lösung der Klimakrise. Der IWF müsse für die Entwicklungsländer ein Programm zur Umwandlung von Schulden in Investitionen initiieren, mit denen Maßnahmen gegen den Klimawandel finanziert werden können.

Nach seiner Rede vor der COP27 hatte Petro ein Treffen mit Vertretern indigenen Bevölkerungen verschiedener Länder, in deren Gebiete Teile des Amazonas-Regenwaldes liegen. Petro zeigte sich skeptisch und sagte, dass der Wille zum Angehen der Klimakrise aufgrund der verschiedenen Interessen vielfach fehle. Es gebe Länder, die wegen der Probleme, die wegen des Klimawandels entstehen, Hilfsgelder erwarten, andere wollten ihren Lebensstandard beibehalten, trotz großem Verbrauch von nicht erneuerbaren Energien. Es gebe auch Länder, die Gewinnmöglichkeiten sähen.

Petro lud außerdem zu einem "Diálogo Regional de Alto Nivel, Amazonía como Pilar de Equilibrio" ein, an dem der Präsident Venezuelas, Nicolás Maduro, und der Präsident von Surinam, Chan Santokhi, teilnahmen. Petro betonte bei diesem Treffen, dass die USA als größter CO2-Verursacher und Südamerika, eines der wichtigsten Speichergebiete von CO2, zusammen einen Weg für den Schutz des Amazonaswaldes suchen müssten. Es sei strategisch wichtig, dass der Präsident von Brasilien, Luiz Inacio Lula da Silva und auch die Mandatsträger von Peru, Bolivien und Ecuador an diesen Gesprächen teilnähmen.

Seitens diverser Experten gab es bereits Reaktionen auf die Rede von Petro. Bezüglich einigen eher allgemeinen Forderungen wie beispielsweise betreffend der Rolle des Marktes oder der globalen Planung müsse die Regierung noch präzisieren, was genau gemeint sei, sagte Milton Montoya, Dekan des Departamento de Derecho Mineroenergético der Universität Externado de Colombia.

Was die konkreteren Vorschläge betrifft, befürwortete Rodríguez Becerra, kolumbianischer Ex-Minister für Umwelt, die Investitionen in den Schutz des Amazonaswaldes: "200 Millionen Dollar jährlich für den Schutz der Amazonasregion ist eine Ankündigung von großer Wichtigkeit", sagte Becerra.

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