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Präsident von Venezuela auf der COP27: "Es ist Zeit, radikal und entschlossen zu handeln"

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Venezuelas Präsident: "Die kapitalistische Produktionsweise ist die Hauptursache für die Klimakrise"
Venezuelas Präsident: "Die kapitalistische Produktionsweise ist die Hauptursache für die Klimakrise"

Sharm El-Sheikh. Der venezolanische Präsident Nicolás Maduro hat die Weltgemeinschaft in seiner Rede auf der 27. Klimakonferenz der Vereinten Nationen (COP27) in Ägypten dazu aufgerufen, angesichts der drohenden Klimakatastrophe "radikal und entschlossen" zu handeln.

In seiner 18-minütige Rede betonte er vor allem die Dringlichkeit der Klimakrise und die Notwendigkeit, die Schwächsten und die von den Auswirkungen am stärksten Betroffenen zu unterstützen: "Wir müssen einen Fonds für klimabedingte Verluste und Schäden einrichten, ohne Verzögerung und ohne bürokratische Hürden […] Lassen Sie uns die Mechanismen abstimmen, so dass die finanzielle Hilfe direkt, fair und zügig erfolgt, damit die Entschädigung für Umweltschäden die am meisten betroffenen Völker erreicht".

Der venezolanische Präsident forderte außerdem Maßnahmen zum Schutz des Amazonasregenwaldes und seiner Biodiversität und forderte die Welt auf, sich an die indigenen Völker zu wenden: "Es sind die indigenen Völker, die uns lehren müssen, wie wir die Natur bewahren und mit ihr leben", erklärte Maduro.

Nach einem Treffen mit den Präsidenten von Kolumbien, Gustavo Petro, und Surinam, Chan Santokhi, rief Maduro die Amazonas-Kooperationsvertragsorganisation (Organización del Tratado de Cooperación Amazónica) auf, ihre Arbeit zum Schutz des größten Regenwaldes der Welt wieder aufzunehmen.

In seiner Rede verwies Maduro außerdem auf die kapitalistische Produktionsweise als Hauptursache für die Klimakrise. "Das Ungleichgewicht und die Umweltkrise, die in der Natur geschaffen wurden, sind vergleichbar mit den Bedingungen der Ungleichheit und Ungerechtigkeit, die der Kapitalismus gegen die Menschheit geschaffen hat", erklärte Maduro. "Ein System, das die Ausbeutung von Menschen zur Normalität macht, hat nicht die ethische Grundlage, andere Formen der Existenz zu respektieren."

Venezolanische Regierungsvertreter hatten die jüngsten schweren Regenfälle und Überschwemmungen als eine Folge des Klimawandels bezeichnet. Die Regierung Maduro steht jedoch selbst wegen der massiven Ausweitung der Bergbauaktivitäten im rohstoffreichen Orinoco-Gebiet, dem "Arco Minero" im Bundesstaat Bolívar, in der Kritik (amerika21 berichtete). Da die US-Sanktionen Caracas zwingen, nach alternativen Einkommensquellen zu suchen, hat der Abbau von Gold und anderen Mineralien zugenommen, was Folgen für die Umwelt und indigene Gemeinschaften hat.

Am Rand des COP27 hatte Maduro eine Reihe von Gesprächen mit Politikern aus aller Welt, darunter der französische Präsident Emmanuel Macron, der portugiesische Premierminister António Costa und der US-Klimabeauftragte John Kerry.

Macron sagte zu, in naher Zukunft mit Maduro eine "bilaterale Agenda" zu erörtern. Der Austausch war insofern bemerkenswert, als Macron den selbsternannten "Interimspräsidenten" Juan Guaidó stark unterstützte.

Costa sprach ausdrücklich über die hohen Öl- und Gaskosten in seinem Land. Maduro lud ihn zu einem Besuch in Venezuela ein, bot aber keine venezolanischen Energielieferungen an.

Die informellen Gespräche fallen mit einer drohenden Energiekrise in Europa zusammen, nachdem der Konflikt in der Ukraine die Gaslieferungen aus Russland unterbrochen hatte. Am Rande des G7-Gipfels im Juni forderte Macron US-Präsident Joe Biden auf, Venezuela und den Iran wieder auf den Ölmarkt zurückkehren zu lassen, was derzeit durch die einseitigen Zwangsmaßnahmen der USA gegen beide Länder verhindert wird.

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