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Lehrkräfte in Venezuela fordern höhere Löhne, Sozial- und Krankenversicherung

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Lehrkräfte in Venezuela protestieren in Caracas für angemessene Löhne und Renten sowie ihre Arbeitsrechte
Lehrkräfte in Venezuela protestieren in Caracas für angemessene Löhne und Renten sowie ihre Arbeitsrechte

Caracas. Hunderte venezolanische Lehrerinnen und Lehrer gehen derzeit auf die Straße, um höhere Löhne und die Wiederherstellung von Tarifrechten zu fordern.

Die landesweiten Proteste begannen am Montag. Organisiert werden sie von der Vereinigten Föderation der Lehrkräfte und Gewerkschaften aus rund 18 Bundesstaaten. Auch weitere Beschäftigte, Verwaltungsangestellte und Pensionäre aus dem öffentlichen Bildungssektor schlossen sich an.

In Caracas versammelten sich die Protestierenden vor dem Bildungsministerium, um sofortige Antworten auf ihren monatelangen Kampf um angemessene Gehälter, die vollständige Auszahlung der vereinbarten Zulagen sowie die Reaktivierung des Versicherungsschutzes für Krankenhausaufenthalte, Operationen und Mutterschaft und des Instituts für Sozialfürsorge und Unterstützung für das Personal des Bildungsministeriums zu fordern.

Die Vorsitzende der venezolanischen Lehrervereinigung, Raquel Figueroa, schloss zwar einen landesweiten Streik aus, erklärte jedoch, dass ihre Mitglieder auf der Straße bleiben werden, bis sie einen neuen kollektiven Tarifvertrag erhalten, der Arbeitsrechte respektiert und eine Gehaltserhöhung festlegt. Die Verhandlungen zwischen den Gewerkschaften und der Regierung waren im November nach einjährigen Diskussionen ohne Ergebnis beendet worden.

Gricelda Sánchez, Vorsitzende des Bildungswerkes für Gewerkschaftsführung, führte aus , dass "eine Lehrkraft letztes Jahr zwischen 90 und 100 US-Dollar im Monat verdiente, heute sind es weniger als 30 US-Dollar". Dies sei auf die Währungsabwertung zurückzuführen, die in der zweiten Hälfte des Jahres 2022 begann.

"Uns ist klar, dass wir kein Land sind, das Dollars druckt, aber die Wirtschaft wird unter dieser Währung gemanagt". Daher forderten die Lehrerinnen und Lehrer ein Gehalt, die dieser Realität entspreche, so Sánchez.

Unter dem Druck der US-Sanktionen hat in Venezuela faktisch eine Dollarisierung stattgefunden, während die Regierung versuchte, die Wirtschaft wieder anzukurbeln, um eine jahrelange Rezession zu überwinden. Dies hat zusammen mit anderen wirtschaftsliberalen Maßnahmen die Inflation etwas gebremst und die Industrie- und Handelsaktivitäten reaktiviert. Die Zentralbank hat für die ersten neun Monate des Jahres 2022 ein Wirtschaftswachstum von 17,73 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gemeldet (amerika21 berichtete).

Die Gehälter der Beschäftigten im öffentlichen Dienst stagnieren jedoch, die letzte Erhöhung des Mindestlohns erfolgte im März 2022 auf rund 130 Bolívares (damals 30 Dollar). Durch die jüngste Abwertung entspricht dies jetzt weniger als zehn Dollar. Zum Vergleich: Der Grundnahrungsmittelkorb wird auf über 492 Dollar geschätzt. Lehrkräfte sind gezwungen, einen Zweitjob anzunehmen, den öffentlichen Sektor zu verlassen oder auszuwandern.

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