Bogotá/Shanghai. Kolumbien ist der Neuen Entwicklungsbank (NDB) der BRICS-Staaten als kreditnehmendes Mitglied beigetreten. Der Beitritt wurde am 20. Juni offiziell von der Bank bestätigt und markiert einen strategischen Schritt der kolumbianischen Regierung, neue Finanzierungsquellen außerhalb traditioneller multilateraler Institutionen wie der Weltbank oder dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zu erschließen.
Präsident Gustavo Petro hatte den Beitritt im Rahmen seiner Chinareise im Mai 2025 angekündigt. Er traf sich dabei unter anderem mit der NDB-Präsidentin und ehemaligen brasilianischen Staatschefin Dilma Rousseff. Nun hat die Generalversammlung der Bank Kolumbiens Antrag offiziell angenommen. Petro bezeichnete den Beitritt als wichtigen Schritt in Richtung wirtschaftlicher Unabhängigkeit.
Der Beitritt zur NDB verschafft Kolumbien Zugang zu neuen Finanzierungsquellen für Großprojekte im Infrastrukturbereich. Laut Präsidialamt können mit Krediten der NDB Projekte wie Eisenbahnlinien, Wasserstoffkorridore oder Bewässerungssysteme gefördert werden. Diese Vorhaben sind zentral für den von Petro angestrebten Wandel der kolumbianischen Wirtschaft hin zu Nachhaltigkeit und Dekarbonisierung. In einer offiziellen Mitteilung der Regierung heißt es: "Kolumbien hat nun eine neue Möglichkeit, den sozialen Wandel zu finanzieren."
Die NDB gilt als institutionelles Gegengewicht zu westlich dominierten Banken. Ihre Darlehen sind oft an weniger strenge politische oder wirtschaftspolitische Auflagen geknüpft, was insbesondere für Länder des Globalen Südens attraktiv ist. Petro betonte, dass Kolumbien sich durch die Diversifizierung seiner Partnerschaften eine größere wirtschaftliche Souveränität verschaffen wolle. Er erklärte, Kolumbien strebe internationale Zusammenarbeit "auf Augenhöhe" an.
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Ein weiterer Beweggrund für den Beitritt ist die Möglichkeit, sich gegen wirtschaftliche Risiken abzusichern, die aus geopolitischen Spannungen oder Währungsabhängigkeiten resultieren. Die NDB hat in den vergangenen Jahren ihre Bemühungen intensiviert, neue Mitglieder aus verschiedenen Weltregionen aufzunehmen. Neben Kolumbien gehören mittlerweile auch Bangladesch, Ägypten und die Vereinigten Arabischen Emirate der Bank an.
Kolumbiens Regierung sieht in der Mitgliedschaft zudem eine Chance, die eigene regionale Rolle zu stärken und die wirtschaftlichen Beziehungen speziell mit Brasilien, China und Indien auszubauen. Finanzminister Ricardo Bonilla erklärte, dass das Land nun gezielter an Programmen für nachhaltige Entwicklung teilnehmen könne, die im Einklang mit dem Klimaplan der Regierung stehen.
Die NDB mit Sitz in Shanghai wurde 2014 von den fünf BRICS-Staaten Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika gegründet. Ziel ist es, Infrastruktur- und Entwicklungsprojekte in Schwellen- und Entwicklungsländern zu fördern, unabhängig von den politischen und wirtschaftlichen Bedingungen westlicher Kreditgeber. Kolumbien ist nach Uruguay das zweite Land Südamerikas, das sich dem Finanzinstitut anschließt.
Honduras hatte ebenfalls im Juni 2023 die Mitgliedschaft in der NDB beantragt (amerika21 berichtete), eine Aufnahme ist aber bisher nicht erfolgt. Nach Presseberichten auch, weil in der Regierung von Honduras keine Einigkeit über den Beitritt und zu zahlende Beiträge besteht.

