Mexiko-Stadt/Havanna. Mexiko wird in dieser Woche humanitäre Hilfe nach Kuba senden. Das kündigte Präsidentin Claudia Sheinbaum am Sonntag bei einer öffentlichen Veranstaltung an. Die Lieferung umfasse Lebensmittel und andere grundlegende Versorgungsgüter, erklärte sie. Zugleich arbeite ihre Regierung auf diplomatischem Weg daran, "alles zu regeln, was mit der Lieferung von Öl aus humanitären Gründen zu tun hat".
Mexiko war zu einem wichtigen Öllieferanten für Kuba geworden, nachdem Venezuela seine Lieferungen infolge der Entführung von Präsident Nicolás Maduro durch die USA eingestellt hatte.
Vergangene Woche hatte US-Präsident Donald Trump allen Ländern mit Strafzöllen gedroht, die Kuba mit Öl beliefern (amerika21 berichtete). Sheinbaum hatte daraufhin ihre Außenministerin angewiesen, Kontakt mit Washington aufzunehmen, um "die genaue Reichweite" von Trumps Anordnung zu klären (amerika21 berichtete).
Bis eine diplomatische Lösung gefunden sei, werde Mexiko "andere unverzichtbare Produkte liefern, die das kubanische Volk dringend benötigt", so die linksgerichtete Präsidentin. Sie dementierte zudem, mit Trump über Öllieferungen nach Kuba gesprochen zu haben.
Der US-Präsident hatte zuvor behauptet, er habe Sheinbaum aufgefordert, die Lieferungen einzustellen. "Wir haben mit Präsident Trump nie über das Thema Öl für Kuba gesprochen", stellte Sheinbaum klar.
Ohne Moos nix los
Ihnen gefällt die Berichterstattung von amerika21? Damit wir weitermachen können, brauchen wir Ihre Unterstützung.
Mexiko befindet sich in einer schwierigen Lage: Das Land ist auf gute Handelsbeziehungen mit den USA angewiesen, steht aber gleichzeitig in einer Tradition der Solidarität mit Kuba. Seit Trumps Rückkehr ins Weiße Haus im Januar 2025 sieht sich Mexiko wiederholt mit Zolldrohungen konfrontiert. In diesem Jahr steht zudem die Überprüfung des nordamerikanischen Freihandelsabkommens T-MEC an, das Mexiko, Kanada und die USA verbindet.
Trump verschärfte zuletzt den Druck auf Kuba. "Kuba wird ziemlich bald scheitern", sagte Trump am Dienstag vor Journalisten in Iowa.
Am Samstag erklärte Trump an Bord der Air Force One, seine Regierung habe begonnen, mit der kubanischen Führung zu sprechen. Die Situation für Kuba sei "wirklich schlecht", so Trump: "Sie haben kein Geld. Sie haben kein Öl." Deshalb werde man "einen Deal" aushandeln. Seine Maßnahmen zur Unterbindung der Ölzufuhr würden Kuba an den Verhandlungstisch zwingen, prognostizierte er. In den Verhandlungen werde man "nett" sein. Welche konkreten Ziele er verfolgt, ließ Trump offen, auch nannte er keine Details zum Stand oder Zeitpunkt der Gespräche. Von kubanischer Seite wurde bestritten, dass es einen "formellen Dialog" mit den USA gäbe, man sei "aber zu Gesprächen bereit, solange die Souveränität und das politische Modell der Insel respektiert werden", erklärte Vize-Außenminister Carlos Fernández de Cossío.
Die Entwicklung stößt international auf scharfe Kritik (amerika21 berichtete) – allerdings nicht nur gegenüber den USA. Der kubanische Analyst ElNecio schrieb auf der Plattform X: "Kuba ist seit 2025 assoziiertes Mitglied der BRICS. Der wirtschaftliche Niedergang oder Kollaps Kubas würde nur beweisen, dass die BRICS als Block nicht funktionieren." Wenn sich die BRICS-Staaten in diesem entscheidenden Moment erlaubten, "ein offizielles Mitglied der illegalen Wirtschaftsblockade der USA auszuliefern", wäre das ein Sieg für die unipolare Welt. "Die größte Prüfung, die die BRICS als Block haben werden, wird die Rettung Kubas sein", so ElNecio.
Auch der Nachrichtensender Al Jazeera übte Kritik. In einem Kommentar der Journalistin Belén Fernández hieß es: "Während die Vereinigten Staaten die Schrauben anziehen, reagieren Kubas vermeintliche Verbündete mit nichts als leeren Gesten und selektiver Solidarität." Was jetzt gebraucht werde, sei echte Solidarität. "Wenn Kuba scheitert, ist das nichts weniger als ein globales Versagen."


