Buenos Aires/Humahuaca. Argentinien hat am 9. Juli, dem Unabhängigkeitstag, auch außerhalb der Hauptstadt Buenos Aires mit offiziellen Feierlichkeiten an die Befreiung von der spanischen Kolonialherrschaft erinnert, etwa in Humahuaca in der Provinz Jujuy. Die Kleinstadt mit rund elftausend Einwohner:innen gilt als Symbol der Unabhängigkeit.
Die Feier begann mit der Begrüßung des Provinzgouverneurs Carlos Sadir. Kapellenmusik begleitete das Hissen der argentinischen Flagge. Wenig später setzte sich die traditionelle Parade auf der Avenida Belgrano in Bewegung. Delegationen aller öffentlichen Einrichtungen nahmen daran teil: Kindergärten, Grund-, Berufs- und weiterführende Schulen, Alten- und Pflegeeinrichtungen sowie Krankenhauspersonal, Feuerwehr und Polizei marschierten an der Menge vorbei. Den Abschluss des über dreistündigen Umzugs bildeten die Gauchos, die zu Pferd oder tanzend defilierten.
Die indigenen Gemeinschaften waren bei der Parade nicht vertreten. Auch in den Reden der Bürgermeisterin Karina Paniagua und der Bildungsministerin Miriam Serrano, die als Vertreterin der Provinzregierung sprach, wurden sie nicht erwähnt.
Der Einsatz der lokalen indigenen Bevölkerung im Unabhängigkeitskampf begründete jedoch die symbolische Bedeutung von Humahuaca. "Humahuaca, wo das Vaterland geboren wurde" stand im Programmheft des Tages. Das Monument, vor dem die Feierlichkeiten stattfanden, wurde 1950 eingeweiht und zeigt eine neun Meter hohe Statue einer indigenen Person.
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Bis heute werden indigene Menschen nicht ausreichend anerkannt und integriert. "Die Unterdrückung der Völker wechselte den Besitzer und die Argumente, aber nicht den Zweck", sagte Valentin Palma Yallanullo, Mitglied der indigenen Gemeinschaft Punta Querandi in der Provinz Buenos Aires, in einem Interview mit der Zeitschrift Citrica.
Zwei Tage vor dem Festtag versuchte die Provinzpolizei zum zweiten Mal in diesem Jahr, die in Cueva del Inca lebende Kolla-Gemeinschaft zu räumen. Das Gebiet liegt in der Quebrada de Humahuaca, die 2003 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Seither ist sie bei Immobilien- und Tourismusunternehmen sehr begehrt. Das treibt die Grundstückspreise in die Höhe und führt zu zunehmenden Landkonflikten.
Die Vertreibung der Gemeinschaft von Cueva del Inca stand im Zusammenhang mit einem Konflikt mit einem benachbarten Hotel. Grundlage war ein Gerichtsverfahren, das die Hotelleitung von Carlos Vazquez und Simona Cruz angestrengt hatte. Dabei handelte es sich um eine illegale Räumung, wie die juristische Vertretung der Gemeinschaft erklärte. Nach geltendem Recht und gemäß der argentinischen Verfassung verfügt Cueva del Inca über eine anerkannte Rechtspersönlichkeit sowie über eine vermessene Fläche. Da das Gebiet jedoch in den offiziellen Akten der Provinz nicht vermerkt ist, sind die Landrechte faktisch nicht gesichert.
Während Argentinien seine Unabhängigkeit feierte, erinnert die Lage der indigenen Bevölkerung an eine andere Realität. Deshalb zog Valentin Palma Yallanullo das Fazit: "Mehr als zweihundert Jahre relativer Unabhängigkeit sind vergangen." Die Motivation der indigenen Menschen, sich gegen die spanische Krone zu erheben, war die Hoffnung auf Befreiung von kolonialer Unterdrückung. Die erlangte Unabhängigkeit brachte jedoch nicht die Veränderungen, auf die indigene Gemeinschaften gehofft hatten, sagte er im Interview.

