Mexiko-Stadt. Israel Vallarta Cisneros, einer der am längsten inhaftierten Menschen ohne Urteil, konnte nach einem Freispruch am 1. August das Gefängnis verlassen. Vallarta hatte sich neunzehn Jahre und acht Monate in Untersuchungshaft befunden. Gemeinsam mit der Französin Florence Cassez wurde er im Dezember 2005 in einer von den Fernsehstationen Televisa und TV Azteca inszenierten Geiselbefreiung als angeblicher Entführer festgenommen.
In der Live-Übertragung misshandelten und folterten Polizisten Cassez und Vallarta vor laufender Kamera und präsentierten sie als gefährliche Anführer einer Bande namens "Los Zodiaco". Zwei Monate später wurde bekannt, dass die Entführungsopfer schon einen Tag zuvor befreit worden waren und die Polizei die Befreiungsaktion für das Fernsehen nachstellte. Genaro García Luna, damaliger Leiter der Bundesermittlungsbehörde, orchestrierte Polizeieinsatz und Übertragung. Wer wirklich hinter der Entführung steckte und warum gerade Vallarta und Cassez verantwortlich gemacht wurden, ist bis heute unklar.
Obwohl die Polizei Beweise inszenierte und Zeugenaussagen teilweise unter Folter erzwang, beharrte Präsident Felipe Calderón (2006–2012) auf dem spektakulär inszenierten Fahndungserfolg. 2009 verhafteten die Behörden weitere Familienangehörige von Vallarta, denen ebenfalls eine Mitgliedschaft bei Los Zodiaco vorgeworfen wurde.
Florence Cassez konnte das Gefängnis 2013 verlassen, nicht zuletzt auf Druck der französischen Regierung.
Bei seiner Entlassung aus dem Hochsicherheitsgefängnis Almoloya de Juárez im Bundesstaat Mexiko empfingen ihn seine Ehefrau Mary Sainz und seine Pflichtverteidiger. Gegenüber den Medien sagte er: "Danke, dass Sie nicht all den versteckten Wahrheiten der vergangenen Regierungen geglaubt haben. Ich wusste, dass sich die Wahrheit früher oder später durchsetzen würde. Es hat 20 Jahre gedauert, bis ich heute vor Ihnen stehe und mein Recht auf Gegendarstellung ausüben darf."
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Vallarta kündigte an, sich für seine noch inhaftierten Verwandten einzusetzen: "Mein Bruder und mein Neffe befinden sich immer noch wegen Luis Cárdenas Palomino, des Verursachers dieser Abscheulichkeit, in Haft."
Luis Cárdenas Palomino galt als rechte Hand von García Luna. Er wurde wegen Folter und anderer Delikte in seiner Zeit als Kommandant der Föderalen Polizeieinheit im selben Gefängnis wie Vallarta inhaftiert. García Luna wurde 2024 in den Vereinigten Staaten wegen Begünstigung des Sinaloa-Kartells während seiner Amtszeit als Minister für öffentliche Sicherheit unter Calderón zu 38 Jahren Gefängnis verurteilt.
Viele andere damalige Drahtzieher seien nach wie vor im Staatsdienst tätig, betonen investigative Journalisten, die mit dem Fall Vallarta vertraut sind.
Für das Menschenrechtszentrum Centro ProDH steht der Fall Vallarta stellvertretend für Tausende andere und zeigt, "wie schädlich eine lange Untersuchungshaft ist" und dass sie "wie eine vorweggenommene Strafe wirkt". Entgegen den Empfehlungen der Menschenrechtsorganisationen und des UN-Menschenrechtsbüros wurde 2024 die Untersuchungshaft in Mexiko auf eine Reihe neuer Straftaten ausgeweitet.

