Zivilgesellschaft in Ecuador fordert Ende der Ölförderung im Yasuní-Nationalpark

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Die Bodenschätze im Yasuni-Nationalpark sollen nach dem Willlen der Mehrheit in Ecuador unter der Erde bleiben
Die Bodenschätze im Yasuni-Nationalpark sollen nach dem Willlen der Mehrheit in Ecuador unter der Erde bleiben

Quito. Anlässlich des zweiten Jahrestags des Yasuní-Volksentscheids fordern Umweltschutz-, Menschenrechtsorganisationen und indigene Gemeinschaften von Ecuadors Regierung, die Erdölförderung im Nationalpark Yasuní einzustellen.

Beim Referendum am 20. August 2023 hatten 54 Prozent der ecuadorianischen Bevölkerung dafür gestimmt, dass die fossilen Ölreserven im Yasuní-Nationalpark für immer unter der Erde bleiben sollen (amerika21 berichtete). Dem Referendum gingen jahrzehntelange soziale Mobilisierungen voraus. Trotzdem wird die Ölförderung fortgesetzt, nur wenige der rund 240 Bohrlöcher wurden geschlossen.

Kollektive wie Yasunidos und Waorani-Organisationen kritisieren, dass die Regierung bislang keine konkreten Maßnahmen zur Beendigung der Ölförderung ergriffen hat und Gründe anführt, um die Schließung zu verzögern.

Der 1989 zum UNESCO-Biosphärenreservat erklärte Nationalpark Yasuní ist mit rund 10.200 Quadratkilometern Fläche Ecuadors größter Nationalpark. Er ist eines der artenreichsten Gebiete der Erde und beheimatet die indigenen Völker Waorani und Kichwa sowie die in "freiwilliger" Isolation lebenden Tagaeri und Taromenane. Die Produktion fossiler Brennstoffe befeuert den Klimawandel und beeinträchtigt die Rechte von Anrainer-Gemeinden.

Ecuadors Verfassungsgericht hatte im Mai 2023 vor dem Referendum entschieden, dass die Regierung im Falle einer Mehrheit die Ölförderung unverzüglich einstellen und alle Bohrlöcher bis zum 31. August 2024 schließen müsse.

Dem Volksentscheid gemäß sollte der Rückzug der Ölindustrie aus dem Block 43-ITT innerhalb eines Jahres abgeschlossen sein. Beim Block 43-ITT handelt es sich um das Ölfördergebiet im Nationalpark, benannt nach den drei Ölfeldern Ishpingo, Tiputini und Tambococha (ITT).

Der aktuelle Zeitplan der staatlichen Ölgesellschaft Petroecuador sieht jedoch entgegen dem Mehrheitswillen den Abbau der Infrastruktur erst bis 2030 und eine ökologische Wiederherstellung bis 2034 vor. Die Regierung führt die Sicherheitskrise im Land als Grund für die Aussetzung der Umsetzung bis mindestens August 2025 an und behauptete jüngst, die Schließung des Blocks könne fünf Jahre dauern, was weit über die gerichtlich angeordneten Fristen hinausgeht.

Im März 2025 urteilte der Interamerikanische Gerichtshof für Menschenrechte, dass die fortgesetzte Ölbohrung die Rechte der Tagaeri und Taromenane verletze, und ordnete an, dass der Staat das Ölfeld bis März 2026 schließen müsse.

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Die Zivilgesellschaft kritisiert das Regierungshandeln und die andauernde Rohstoffausbeutung als "Umweltbetrug", der das Vertrauen in demokratische Prozesse schwäche.

Die Regierung gibt an, im Jahr 2024 fünf Bohrlöcher geschlossen zu haben, laut einigen Medienberichten sind es zehn Bohrlöcher. Im Laufe dieses Jahres sollen weitere 48 geschlossen werden.

Die Mehrheit der rund 240 Bohrlöcher im Yasun-Block 43 fördert jedoch weiterhin, laut staatlichen Angaben, täglich etwa 44.000 Barrel Öl im ersten Halbjahr 2025. Das ITT-Gebiet ist aber nur ein Bruchteil der circa 5.000 Bohrlöcher Ecuadors.

Ecuadorianische Ökonom:innen haben praktische Maßnahmen erarbeitet, um Schäden von Gemeinden, Umwelt und Wirtschaft abzuwenden.

Indessen setzte Präsident Daniel Noboa im Mai 2024 einen Planungsausschuss ein, ohne Zivilgesellschaft und indigene Völker einzubeziehen. Bis heute wurde noch immer kein Plan zur Schließung der übrigen Bohrlöcher im ITT-Block vorgelegt.

Der Interamerikanische Gerichtshof für Menschenrechte hat im Juli 2025 bestätigt, dass Regierungen verbindliche, zeitlich gebundene Treibhausgas-Emissionsreduktionen aus fossilen Brennstoffen festlegen und den Amazonas-Regenwald schützen müssen.

Am 22. August 2025 haben sich regionale Staats- und Regierungschefs zum Gipfel der Organisation des Amazonas-Kooperationsvertrags (OTCA) in Kolumbien getroffen, um sich im Vorfeld der globalen Klimaverhandlungen zu stärkerem Waldschutz zu verpflichten.

Die Amazonas-Anrainerstaaten sollten sich laut Zivilgesellschaft und Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch verpflichten, Maßnahmen wie im Yasuní-Referendum im gesamten Amazonasgebiet zu ergreifen, um kritische Ökosysteme und indigene Gebiete zu schützen. Ecuador müsse die Ölförderung im ITT-Block einstellen und beschleunigt einen menschenrechtskonformen Schließungsplan umsetzen. Indigene Gemeinschaften müssten in dem Planungsausschuss vertreten sein und mitwirken. Ecuador habe die Verpflichtung, aus fossilen Brennstoffen auszusteigen und den Willen seines Volkes, die Rechtsvorschriften und die Menschenrechte der betroffenen Gemeinden zu respektieren.