Ecuador: Neue Bohrungen zur Förderung von Erdöl im Yasuní-Nationalpark

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Ölfeld im Block 43 des Yasuní-Nationalparks von Ecuador
Ölfeld im Block 43 des Yasuní-Nationalparks von Ecuador

Quito. Die staatliche Erdölgesellschaft von Ecuador, Petroamazonas, hat den Start von Bohrungen in einem neuen Teil vom "Block 43" im Yasuní-Nationalpark bekanntgegeben, einem der Orte mit der weltweit größten Biodiversität. Damit beginnt die zweite Phase des kontroversen Ishpingo-Tambococha-Tiputini-Projektes (ITT), das 2016 im Osten des ecuadorianischen Amazonasgebietes gestartet worden war.

In den kommenden Monaten und Jahren sollen vier Plattformen gebaut und fast 100 Brunnen gebohrt werden. Laut Petroamazonas wird das Ölfeld "Tambococha-2" auf 287 Millionen Barrel Rohöl geschätzt. Insgesamt werden im ganzen ITT-Gebiet knapp 1,7 Milliarden Barrel vermutet, was über 40 Prozent der gesamten bekannten Reserven des OPEC-Landes entspricht und das landesweit größte Ölförderungsprojekt ist. Das Unternehmen versprach, das Yasuní-Rohöl mit möglichst geringen Umweltauswirkungen und unter Verwendung der besten verfügbaren Technologien zu fördern.

Kritiker und Naturschützer sind der Meinung, dass die Erschließung des Ölfeldes ohne Auswirkungen für Natur und Bevölkerung auf solch einem biologisch-empfindlichen Gebiet unmöglich ist. Sie befürchten, dass der Ausbau der Straßen und der Einfluss der Arbeiter Entwaldung, Jagd und Kolonisierung beschleunigen und zu Konflikten mit zwei isolierten Indigenenstämmen führen könnten.

Dabei wurde Präsident Lenín Moreno noch letztes Jahr von Umweltschützern gepriesen, nachdem er den Vereinten Nationen versprochen hatte, sich mehr für den Schutz des Amazonas einzusetzen. Er sagte damals zu, zukünftig intensivere Konsultationen mit lokalen Gemeinden zu führen, bevor neue Bergbaukonzessionen erteilt werden.

Carlos Mazabanda, Feldkoordinator der Umweltschutzorganisation Amazon Watch in Ecuador, sagte nun: "Die Bohrungen in Yasuní widersprechen direkt Morenos Versprechen gegenüber der UNO und dem erweiterten Schutz, der im Referendum vorgeschlagen wurde."

Es widerspreche auch der Verfassung Ecuadors, welche die Natur als Rechtssubjekt anerkennt und empfindliche Ökosysteme vor Aktivitäten schützt, die zum Artensterben, zur Zerstörung von Ökosystemen oder zur permanenten Veränderung natürlicher Zyklen führen könnten, so Mazabanda weiter.

Yasuní galt einst ein hoffnungsvolles Projekt für den globalen Natur- und Klimaschutz. Im Jahr 2007 hatte der ehemalige Präsident Rafael Correa der internationalen Staatengemeinschaft – vor allem den Industrieländern – vorgeschlagen, den ecuadorianischen Staat für etwa die Hälfte des zu erwartenden Gewinns aus den Exporteinnahmen des Rohöls (3,6 Milliarden Dollar) zu entschädigen. Das Geld sollte in einen Treuhandfonds unter UN-Aufsicht fließen, um daraus Projekte zum Ausbau erneuerbaren Energien und der Wiederaufforstung zu finanzieren. Der Ausstoß von mehr als 400 Millionen Tonnen CO2-Emissionen sollte so vermieden werden. Zunächst kam von vielen Seiten großes Interesse, die Initiative zu unterstützten ‒ unter anderem von der deutschen Politik.

Jedoch wurde dies auch durch die Bundesrepublik, allen voran durch den früheren Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP), torpediert. So kamen in sechs Jahren gerade einmal 0,37 Prozent des erhofften Kompensationsbetrages zusammen. Correa erklärte die Yasuní-Initiative im August 2013 für gescheitert und beschloss, die Erschließung des Erdölgebiets im Yasuní-Nationalpark aufzunehmen. Erdöl ist Ecuadors wichtigstes Exportprodukt und eine wichtige Grundlage für die Finanzierung seines Haushalts.

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