NGOs und Angehörige in Mexiko fordern Freiheit für fünf Indigene

Seit drei Jahren kämpfen Angehörige um Freilassung. UN bestätigten: Männer sitzen zu Unrecht im Gefängnis. Hoffnung nach Neuwahl der Richter:innen

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Pressekonferenz zur Freilassung der "Fünf von San Juan Cancuc"
Pressekonferenz zur Freilassung der "Fünf von San Juan Cancuc"

Tuxtla Gutiérrez. Im Rahmen einer Pressekonferenz haben Angehörige, das Centro de Derechos Humanos Fray Bartolomé de Las Casas (Frayba) und das Kollektiv No Estamos Todxs (Wir sind nicht alle) in Tuxtla Gutiérrez die Freilassung der "Fünf von San Juan Cancuc" gefordert. Es handelt sich um die Tzeltal-Indigenen Manuel Sántiz Cruz, Agustín Pérez Domínguez, Juan Velasco Aguilar, Martín Pérez Domínguez und Agustín Pérez Velasco aus dem Bundesstaat Chiapas im Süden Mexikos. Sie wurden 2022 nach dem Tod eines kommunalen Polizisten festgenommen und später zu 25 Jahren Haft wegen Mordes verurteilt.

Anwält:innen und Menschenrechtszentren kritisieren, dass das Urteil auf fehlerhaften und widersprüchlichen Beweisen basiere. Kritisiert wurden auch die Umstände der Festnahmen. So habe kein gültiger Haftbefehl vorgelegen und die Männer seien nach der Festnahme stundenlang verschwunden gewesen, ohne Dolmetscher und ohne rechtliche Vertretung. Ermittlungsakten erhielten nach Aussagen der Anwält:innen widersprüchliche Gutachten, fehlende Beweise und unklare Aussagen.

Hintergrund ist der Widerstand gegen den Bau der Autobahn zwischen Palenque und San Cristóbal de las Casas, die von vielen indigenen Gemeinden abgelehnt wird (amerika21 berichtete). Angehörige haben in einer Videobotschaft, die dem Menschenrechtszentrum Frayba vorliegt, betont, dass das einzige Verbrechen der Inhaftierten sei "arm, indigen und – vor allem – Verteidiger:innen der Erde und des Territoriums zu sein".

Im Mai hatte eine Arbeitsgruppe für willkürliche Verhaftungen der UN die Vorwürfe von Angehörigen und Anwält:innen im Wesentlichen bestätigt. In der Stellungnahme 21/2025 schrieb die Arbeitsgruppe, die Festnahme sei willkürlich und das Verfahren unfair gewesen. Weiter hieß es, das Verfahren sei von schwerwiegenden Verstößen gegen ein ordnungsgemäßes Verfahren sowie Diskriminierung aufgrund ihrer indigenen Identität und ihrer Arbeit zur Verteidigung des Territoriums gekennzeichnet gewesen. Die Arbeitsgruppe forderte die unverzügliche Freilassung der fünf Männer, Wiedergutmachung und eine unabhängige Untersuchung der Verantwortlichen.

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Pedro Faro vom Menschenrechtszentrum Frayba erklärte gegenüber amerika21, der Fall reihe sich ein "in ein systematisches Muster der Kriminalisierung indigener Menschenrechtsverteidiger:innen in Chiapas, insbesondere im Zusammenhang mit dem Widerstand der Bevölkerung gegen Megaprojekte und Militarisierung. Das Menschenrechtszentrum Fray Bartolomé de Las Casas hat zahlreiche Unregelmäßigkeiten dokumentiert und den Fall daher an internationale Instanzen weitergeleitet. Derzeit ist ein Verfassungsbeschwerdeverfahren anhängig, weshalb wir die Justiz dringend auffordern, ein Urteil zu fällen, das die Rechte der Menschenrechtsverteidiger vollständig wiederherstellt. Wir fordern den mexikanischen Staat auf, die Resolution der Vereinten Nationen unverzüglich umzusetzen und einen institutionellen Dialog einzuleiten, um Gerechtigkeit und Wiedergutmachung zu gewährleisten", so Faro.

Hoffnung setzt er auf die neugewählten Richter:innen, die in der vergangenen Woche ihr Amt antraten und erstmals direkt vom Volk gewählt worden sind. "Nach dem Völkerrecht und der Meinung der Arbeitsgruppe der Vereinten Nationen sind sie verpflichtet, die Männer freizulassen. Allerdings gibt es Präzedenzfälle aus der vergangenen Amtszeit, wonach Inhaftierte trotz schwerer Menschenrechtsverletzungen weiterhin in Haft gehalten werden."

Auf lokaler Ebene werden die Gefangenen neben Frayba und dem Kollektiv No Estamos Todxs von der Diócesis de San Cristóbal de Las Casas und der Parroquia San Juan Evangelista in Cancuc unterstützt. Die Unterstützer:innen berichten von zerstörten Existenzen, Armut und Stigmatisierung durch die Haft.