Proteste in Chiapas gegen Autobahnbau

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Diese Landstraße verbindet bisher die Städte im Süden von Mexiko
Diese Landstraße verbindet bisher die Städte im Süden von Mexiko

Chiapas. Indigene Organisationen im Südosten Mexikos haben in einer gemeinsamen Erklärung die sofortige Einstellung des Baus einer Autobahn von Palenque nach Ocosingo gefordert und die Durchsetzung des Großprojekts kritisiert. Am 8. Juni hatte der Gouverneur von Chiapas, Eduardo Ramírez Aguilar, trotz der Einwände betroffener Gemeinden die Arbeiten an der Straße eingeweiht. Die Organisation Modevite, die kommunitäre Regierung von Chilón und mehrere indigene Dörfer werfen der Regierung vor, das Projekt ohne die Zustimmung der betroffenen Gemeinden voranzutreiben.

Das seit drei Regierungsperioden geplante Projekt soll die Städte Palenque und San Cristóbal de las Casas im südmexikanischen Bundesstaat Chiapas verbinden, scheiterte bisher jedoch am Widerstand der betroffenen Tzeltal-, Tzotzil- und Chol-Gemeinden in der Region. Im Wahlkampf 2024 hatten Kandidaten der Regierungspartei Morena die Wiederaufnahme des Projekts angekündigt. Die heutige Präsidentin Claudia Sheinbaum erklärte, das Projekt zum Wohl der indigenen Gemeinschaften fertigstellen zu wollen und stufte es als Priorität ein. Laut der Regierung des Bundesstaats Chiapas würden nun die betroffenen Dörfer stärker miteinbezogen und profitierten durch Mauteinnahmen vom Bau der Straße.

Seit mehreren Monaten kritisieren Organisationen wie Modevite die Wiederaufnahme des Projekts und bezeichnen die Aussagen der Regierung als Lüge. "Wir weisen die irreführende Rede des Gouverneurs bei der Einweihungsveranstaltung kategorisch zurück. Es handelt sich um eine schändliche Lüge, wenn er behauptet, direkt mit den Eigentümern der von dieser Autobahnstrecke durchquerten Grundstücke oder Parzellen gesprochen zu haben", erklärten 14 Organisationen und indigene Verwaltungsorgane vergangene Woche.

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Am 22. Februar organisierte Gouverneur Ramírez in Bachajón, im Landkreis Chilón, eine öffentliche Befragung zum Projekt. An dieser Veranstaltung nahmen jedoch weder alle betroffenen Gemeinden teil, noch entsprach sie den internationalen Standards für Konsultationen mit indigenen Völkern. Im März reichten 13 Maya-Gemeinden zwei Klagen ein – aufgrund fehlender Informationen über die ökologischen, kulturellen und sozialen Auswirkungen des Projekts sowie wegen der aus ihrer Sicht manipulierten Befragung durch die Regierung. Trotz der laufenden Klagen werden die Arbeiten an dem Großprojekt, das als Verbindung zwischen dem Interozeanischen Korridor und dem Infrastrukturprojekt Tren Maya dienen soll, weitergeführt.

"Im Gegensatz zur offiziellen Darstellung als 'Entwicklung' ist diese Autobahn das Tor zur Zerstörung unserer Mutter Erde", erklärt Modevite. Durch die 153 Kilometer lange Autobahn würden 387 Hektar Urwald zerstört, Flüsse verunreinigt und Berge, die für die lokale Bevölkerung eine zeremonielle Bedeutung haben, verwüstet. Die wirklichen Gewinner des Projekts seien Tourismusunternehmen und Agrarexporteure. Zudem führe der Bau zum verstärkten Einsatz staatlicher Sicherheitskräfte in der Region, um kritische Stimmen zum Schweigen zu bringen. Die Gemeinden zeigen sich besorgt über Einschüchterungen und die Kriminalisierung von Gegnern des Großprojekts.