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Jamaika, Kuba und Haiti kämpfen mit Folgen von Hurrikan Melissa

Vier Wochen nach dem Sturm. Millionen Menschen betroffen. Wasser- und Gesundheitssysteme stark beschädigt. Milliarden für Jamaikas Wiederaufbau zugesagt

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Melissa hat in der Karibik Verwüstung hinterlassen
Melissa hat in der Karibik Verwüstung hinterlassen

Kingston Town/Havanna. Vier Wochen nach dem Durchzug von Hurrikan Melissa kämpfen Jamaika, Kuba und Haiti weiterhin mit massiven humanitären und infrastrukturellen Schäden. Der Sturm traf Ende Oktober zuerst Jamaika und kurz darauf Kuba und Haiti. Seither zeigt sich ein regionales Ausmaß der Zerstörung, das kurzfristige Nothilfe und langfristige Wiederaufbaupläne gleichermaßen erfordert (amerika21 berichtete). In allen drei Ländern waren Millionen Menschen betroffen und erste Hilfsmaßnahmen wurden eingeleitet. Während die internationale Gemeinschaft umfangreiche Finanzhilfen für Jamaika zugesagt hat, verschärfen zerstörte Gesundheits- und Wassersysteme in allen drei Ländern die Lage für Millionen Menschen.

Ein Zusammenschluss internationaler Finanzinstitutionen (darunter Weltbank, IDB, CAF und der IWF) kündigte am 1. Dezember 2025 ein Hilfspaket von bis zu 6,7 Milliarden US-Dollar für Jamaikas Wiederaufbau an. Rund 3,6 Milliarden sollen direkt in Regierungsprogramme fließen, ergänzt durch bis zu 2,4 Milliarden US-Dollar an privaten Investitionen über die Entwicklungsbanken. Bereits unmittelbar nach dem Sturm wurden zudem mehr als 670 Millionen US-Dollar aus Rücklagen, Versicherungen und Kreditlinien für dringende Notmaßnahmen mobilisiert.

Die humanitäre Lage bleibt in Jamaika weiterhin angespannt. Laut UNICEF sind zahlreiche Schulen, Krankenhäuser und andere Versorgungsinfrastrukturen schwer beschädigt. Viele Gemeinden sind ohne Wasser, sanitäre Versorgung und Elektrizität. Tausende Menschen haben ihre Häuser verloren; Hunderte Schulen dienen vorübergehend als Notunterkünfte. UNICEF zählt allein in Jamaika bis zu 1,6 Millionen Betroffene, darunter 280.000 Kinder, die humanitäre Hilfe benötigen. Medizinische Einrichtungen erlitten massive Schäden mit überfluteten Stationen und unterbrochenen Diensten. Wasser- und Stromausfälle behindern die medizinische Versorgung und erhöhen das Risiko von Krankheitsausbrüchen.

Auch in Kuba sind die humanitären Folgen nach dem Hurrikan erheblich. Laut der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation (PAHO) sind Hunderte Gesundheitseinrichtungen beschädigt, die Wasserversorgung und sanitäre Infrastruktur stark beeinträchtigt. Besonders betroffen ist die Provinz Santiago de Cuba, wo nach Angaben der PAHO rund 95.000 Häuser zerstört oder beschädigt wurden. Für viele Familien, deren Existenzgrundlage Landwirtschaft oder Fischerei sind, bedeutet das eine existenzielle Gefährdung. Überschwemmungen und die Zerstörung von Infrastruktur verschärfen die Risiken für Gesundheit und Ernährungssicherheit.

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Auch Haiti zählt zu den vom Sturm schwer getroffenen Ländern. Die PAHO meldet dort erhebliche Schäden an Straßen, Wasser- und Gesundheitssystemen. Überschwemmungen und Infrastrukturschäden behindern die Versorgung der Bevölkerung und gefährden die öffentliche Gesundheit. Die Organisation liefert Medikamente, Wasser- und Hygieneartikel und unterstützt Maßnahmen zur Seuchenprävention, unter anderem gegen Cholera und durch Wasser oder Vektoren übertragene Krankheiten.

UNICEF kündigte einen fünfmonatigen Hilfsplan an, um in Jamaika, Kuba und Haiti, teils auch in der Dominikanischen Republik, die Grundversorgung wiederherzustellen. Ziel sei es, Wasser- und Sanitärdienste, Gesundheits- und Ernährungssysteme, Bildungseinrichtungen sowie psychosoziale und Schutzangebote für betroffene Kinder und Familien bereitzustellen. Dafür werden nach UNICEF-Angaben rund 56,2 Millionen US-Dollar benötigt.

Die Lage in Jamaika, Kuba und Haiti zeigt, dass der Wiederaufbau weit über kurzfristige Hilfsmaßnahmen hinausgeht. Besonders die Zerstörung von Wasser- und Gesundheitssystemen macht die Bevölkerung weiterhin verletzlich. Entscheidend wird nun sein, wie schnell die zugesagten Mittel tatsächlich fließen und ob es gelingt, die Region langfristig gegen immer häufigere und intensivere Klimaextreme zu wappnen.