Washington. Die US-Regierung von Donald Trump strebt in diesem Jahr einen Umsturz und Systemwechsel in Kuba an. Dies berichtet das Wall Street Journal (WSJ). Es heißt, Präsident Trump sei ermutigt durch die Bombardierung Venezuelas und die Entführung von Nicolás Maduro. Demnach suchen die US-Regierung und ihre Geheimdienste laut Vertrauten nach "Insidern der kubanischen Regierung, die dabei helfen können, einen Deal auszuhandeln, um das kommunistische Regime bis Ende des Jahres zu stürzen."
Dem WSJ zufolge schätzte die Trump-Regierung die kubanische Wirtschaft als kurz vor dem Zusammenbruch stehend ein und glaube, dass durch die totale US-Blockade lebenswichtiger Öllieferungen sowie der wichtigen Zahlungen für die Dienste des kubanischen Gesundheitspersonals in Venezuela die Wirtschaft kollabieren würde.
Gemäß dem WSJ zeichnen die US-Geheimdienstberichte ein düsteres Bild der Lage der Wirtschaft der benachbarten Inselgesellschaft: Der chronische Mangel an Basisgütern, Medikamenten und Strom sei noch nie so groß gewesen. Dabei sehen Experten wie Alena Douhan, dass viele Probleme Kubas durch die zahlreichen Sanktionen verursacht werden. Das Land sei auch Opfer von feindlichen Medienkampagnen gegen Kuba und sogar von Währungsmanipulationen, klagen die kubanischen Medien.
Die Trump-Regierung habe allerdings keinen konkreten Plan für den Sturz der kommunistischen Regierung, so das WSJ. Sie sehe jedoch das Vorgehen gegen Venezuela und die anschließenden Gespräche mit der Übergangspräsidentin als Blaupause und Warnung für Kuba. Die Ölvorräte der karibischen Insel könnten innerhalb weniger Wochen erschöpft sein, was laut Ökonomen zu einem vollständigen Stillstand der Wirtschaft führen würde.
Sie schätzen unsere Berichterstattung?
Dann spenden Sie für amerika21 und unterstützen unsere aktuellen Beiträge über das Geschehen in Lateinamerika und der Karibik. Damit alle Inhalte von amerika21.de weiterhin für Alle kostenlos verfügbar sind.
Trumps Vertraute sagen, dass das Regierungsoberhaupt die Sturzstrategien der Vergangenheit ablehne und stattdessen versuche, wo immer möglich, Vereinbarungen zu treffen und sich bietende Gelegenheiten zu nutzen. Wie in Venezuela könnte dies wie eine Eskalation des Drucks aussehen, während gleichzeitig signalisiert werde, dass das Weiße Haus offen für Verhandlungen über einen Ausweg sei, so ein hochrangiger US-Beamter. Er bekräftigte, dass Kuba "ein Abkommen schließen sollte, bevor es zu spät ist".
Die USA haben allerdings eine lange Geschichte gescheiterter "Regime-Change"-Versuche, wie das WSJ dokumentiert. "Diese Leute sind eine deutlich härtere Nuss", sagte Ricardo Zúñiga, ein ehemaliger Beamter der Obama-Regierung, der von 2014 bis 2017 an den Verhandlungen über die kurzlebige Entspannung zwischen den USA und Kuba beteiligt war. Er betonte, dass niemand sich leichtfertig dazu bewegen lasse, auf der Seite der USA zu handeln, und wies auf die Widerstandskraft der kubanischen Regierungsbeamten hin. Der kubanische Präsident Miguel Díaz-Canel betonte seinerseits: "Es gibt keine Kapitulation oder Unterwerfung und auch keine Einigung, die auf Zwang oder Einschüchterung basiert."
Die Ereignisse in Venezuela hätten innerhalb der anti-Kuba Latino-Gemeinschaft in Miami die Erwartung geweckt, dass die Regierung der Insel nun gestürzt werden könne. So kursieren KI-generierte Videos, die eine postkommunistische Utopie zeigen, mit Booten, die aus Miami ankommen, mit Familienzusammenführungen und mit Trump und Rubio, die in einem Cabrio aus den 1950er Jahren an den glänzenden Hotels eines "befreiten Kubas" vorbeifahren.
Unterdessen hat die Regierung Chinas ein ganzes Spektrum an Maßnahmen gegen die USA in Kraft gesetzt, die große Verluste für US-Konzerne und Lieferprobleme bedeuten könnten. Zugleich sorgt China für eine engere Vernetzung mit Staaten des globalen Südens. Es bleibt offen, ob diese Strategie, die derzeit durch die BRICS-Länder unterstützt wird, eine Wirkung auf die US-Zwischenwahlen im November für Trump und seine MAGA-Kreise haben wird.


